Dienstag, 24. Juli 2018

Inklusiver Biologie-Unterricht

























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  1. Liebe Anja, Kathrin und Sissy,

    vielen Dank für euren interessanten und gut strukturierten Blog-Beitrag. Ihr habt ein Thema aufgegriffen, das sehr aktuell ist und mit dem sich Lehrerinnen und Lehrer befassen sollten. Ich finde es gut, dass ihr zunächst einmal genau erklärt habt, was inklusiver Biologie-Unterricht ist, welche Funktionen er hat und wie dieser im Gesetz verankert ist.
    Ebenfalls habt ihr festgehalten, dass Aufgabenstellungen in einer inklusiven Klasse in einfacher Sprache gestaltet werden sollte. Dies ist besonders für SuS mit dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen wichtig, denn wenn bereits die Aufgabenstellung zu komplex und überfordernd erscheint, wie soll dann erst die Aufgabe bewältigt werden?

    Ihr habt das Thema aufgegriffen und gute Vorschläge geschildert, wie man möglichst allen SuS eine eigenständige Arbeitsweise ermöglichen kann und insbesondere SuS mit sonderpädagogischen Förderschwerpunkten, die eine eingeschränkte Lese- und Schreibfähigkeit haben können.
    Eine Möglichkeit für selbstständiges Arbeiten innerhalb von Versuchen, könnte mithilfe von Tablets und diversen Arbeitsblättern sein. Den SuS, die Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben haben, könnte man ein Tablet zur Verfügung stellen. Die Lehrperson könnte darauf ein kurzes Video in einfacher Aufmachung, in dem die Durchführung des Versuchs sowie die benötigten Materialien zu sehen sind, bereitstellen. Die SuS können sich dieses Video dann auf dem Tablet anschauen und selbst entscheiden, ob es ihnen ausreicht und sie die Aufgabenstellung sowie die Durchführung verstanden haben oder ob sie es sich ein weiteres Mal anschauen möchten. Parallel könnte die Lehrperson ein individuell erstelltes Arbeitsblatt den SuS bereitlegen, auf dem jeder einzelne Arbeitsschritt, in Form von Bildern oder Symbolen, zu sehen ist. Dies dient als kleine Stütze nebenbei. Damit die SuS ihre Auswertungen des Versuchs dokumentieren können, könnte die Lehrerin oder der Lehrer ebenfalls ein erstelltes Arbeitsblatt anbieten, auf dem, in Form von Bildern, mehrere Auswertungsmöglichkeiten zum Ankreuzen bereitstehen.
    Somit könnte eine selbstständige Arbeitsweise gewährleistet werden und Schwierigkeiten oder Probleme beim Lesen oder Schreiben gelöst werden. Die SuS ohne sonderpädagogischen Förderbedarf erhalten keine zusätzlichen Arbeitsblätter und formulieren ihre Auswertungen des Versuchs selbst und schreiben diese auf.

    Zusammenfassend kann man sagen, dass es nicht einfach ist, inklusiven Biologie-Unterricht zu gestalten und durchzuführen. Es ist eine Herausforderung für die Lehrperson, denn es benötigt eine sehr gute und intensive Vorbereitung. Ihr habt viele hilfreiche Tipps vorgeschlagen, die man im Unterricht anwenden kann. Allerdings ist es fraglich, ob diese Tipps, als auch mein Vorschlag, so gut in der Realität funktionieren, da alle SuS individuell sind.

    Liebe Grüße
    Jana

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  4. Liebe Jana,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Es freut mich sehr, dass dir unser Blog gefällt. Deine Vorschläge für den IBU haben mir gut gefallen. Ich denke auch, dass es SuS zusätzlich motiviert und fördert mit Tablets zu lernen.


    „Lernen ist das Persönlichste auf der Welt. Es ist so eigen wie ein Gesicht oder wie ein Fingerabdruck.“
    (Heinz von Foerster)

    Durch die zunehmende Anzahl an Heterogenität in den Klassen gibt es SuS mit den unterschied¬lich-sten (Lern-)Stärken und (Lern-)Schwächen. Diese sollten wir anerkennen und im Sinne aller positiv damit umgehen. Inklusiver Biologie-Unterricht fördert alle SuS. Ziel des individuellen Lernens ist es alle SuS bestmöglich zu motivieren und zu (weiter zu) fördern. Die SuS sollen nicht nur selbstgesteuert lernen, sondern auch dafür Verantwortung übernehmen. Die Stärken und Entwicklungsbedarfe werden hierbei in den Blick genommen und der Lernprozess unterstützt. Die SuS legen gemeinsam mit der Lehrperson individuelle Lernziele fest. Diese werden geplant, dokumentiert, bewertet und reflektiert. Individualisiertes Lernen kann im Grad der Selbstständigkeit variieren, da es manchen SuS noch schwerfallen kann, Verantwortung über ihr Handeln und Lernen zu übernehmen. Individualisiertes Lernen fördert aber auch immer soziale Kompetenzen und Kommunikation. Im Kompetenzbereich der Biologie ist die Kommunikation neben dem Fachwissen, der Erkenntnisgewinnung und der Bewertung einer der vier Schwerpunksetzungen der Planung einer Unterrichtseinheit.

    Nach John Hattie (http://www.frank-lipowsky.de/wp-content/uploads/Lotz-Lipowsky-2.pdf) sind nicht nur die SuS mit ihren individuellen Lernleistungen und ihrem Vorwissen bedeutsam, was guten Unterricht ausmacht, sondern auch die Lehrperson. Sie ist für 30 % der Unterschiede in den Leistungen der Schüler verantwortlich. So sind nicht nur die SuS individuell, sondern auch die Lehrperson. Was bei der einen Lehrperson während des Unterrichts funktioniert, muss nicht unbedingt auf eine andere Lehrperson übertragbar sein. So muss jeder für sich rausfinden, wie er seinen (inklusiven Biologie-) Unterricht erfolgreich gestalten kann. Hierbei gibt es kein Patentrezept, noch einen Königsweg. Aber eins ist sicher, mit kaum einem anderen Fach kann man SuS so sehr begeistern, wie mit Biologie!

    Liebe Grüße
    Anja

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  5. Liebe Anja, Kathrin und Sissy,

    euer Blogbeitrag ist ein sehr aktuelles und spannendes Thema, welches uns alle als zukünftige Lehrkräfte betrifft.
    Meiner Meinung nach ist Inklusion in allen Klassenstufen sowie Schularten unumgänglich. Es ist die Aufgabe der Lehrkräfte seine Schülerinnen und Schüler zu kennen und zu wissen auf welchem Lernlevel sie sich derzeit befinden. Nur so ist individueller und differenzierter Unterricht möglich, wobei jede und jeder Einzelne einen Lernzuwachs auf seinem Niveau erzielen kann.

    Laut der Bertelsmann Stiftung (mit Bezug auf die KMK 2014 und 2015) liegt in Deutschland die Förderquote, also die Anzahl aller Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, bei 6,8 Prozent. Von diesen 6,8 Prozent wurden im Schuljahr 2013/2014 rund 4,7 Prozent exklusiv und lediglich 2,1 Prozent inklusiv in allgemeinen Schulen unterrichtet. Unter den 2,1 Prozent befinden sich zudem noch Schülerinnen und Schüler, welche nicht gemeinsam mit der jeweiligen Klasse, sondern separiert beschult wurden.
    Dies zeigt meines Erachtens einen enormen Aufruf nach einer Verbesserung der bisherigen Inklusion.

    Ihr habt schon einige gute Vorschläge für inklusiven Unterricht aufgezeigt. Ein geeignetes Hilfsmittel stellen, im Hinblick auf Schülerinnen und Schüler mit geringen Lesekompetenzen, Concept Cartoons dar.
    Diese sind besonders gut beim Experimentieren einsetzbar, da mithilfe von visualisierten Figuren bestimmte Szenarien, in denen über bestimmte Inhalte diskutiert wird, aufgezeigt werden. Diese unterstützende Veranschaulichung von dem durchzuführenden Experiment kann leistungsschwächerer Kinder kognitiv entlasten und führt zu größeren Lernzuwächsen im wissenschaftlichen Denken (vgl. Arnold, Kremer, Mayer).

    Nun möchte ich noch auf eure Frage eingehen, ob jeder curriculare Inhalt soweit differenzierbar ist, dass er von jeder Schülerin und jedem Schüler erschlossen werden kann. Diese Frage betreffend muss man immer die jeweiligen Förderschwerpunkte differenziert betrachten. In einem Sonderpädagogischen Bildungs-und Beratungszentrum (SBBZ) Geistige Entwicklung sind die Schülerinnen und Schüler noch individueller in ihren Fähigkeiten und kognitiven Ausstattung, sodass man einem mehrfachbehinderten Kind nicht den gleichen Lerninhalt wie einem Kind mit einer leichten geistigen Beeinträchtigung vermitteln kann. In einem SBBZ Sprache ist eine weitgehend gleiche Zielperspektive durchaus wahrscheinlicher, da diese Schülerinnen und Schüler lediglich eine sprachliche Beeinträchtigung haben. Folglich ist diese Frage nicht pauschal auf jedes SBBZ zu beantworten, sondern bedarf einer individuellen Betrachtung. Allerdings bin ich der Meinung, dass man jeden Inhalt soweit differenzieren kann, dass alle etwas über das behandelte Thema lernen, nur eben auf anderen Niveaustufen. Lernen die Schülerinnen und Schüler in einem SBBZ Geistige Entwicklung beispielsweise etwas über den Apfel, so kann ein Kind das Wort Apfel schreiben, das andere Kind kann den Anlaut von dem Wort erkennen und aufschreiben, ein anderes Kind kann wiederum die Äpfel der Farbe nach sortieren, ein weiteres Kind kann die Äpfel schneiden und ein mehrfachbehindertes Kind kann den Apfel ertasten und möglicherweise den Geschmack erkunden. Dieses Prinzip lässt sich auf jedes Thema kreativ anpassen und individuell in jeder Klasse umsetzen.

    Schlussendlich finde ich es sehr wichtig, dass alle Lehrkräfte dafür sensibilisiert und beschult werden guten inklusiven Biologieunterricht zu gestalten, um jeder Schülerin und jedem Schüler die bestmöglichen Lernchancen zu ermöglichen, auch wenn dies viel Aufwand und Zeit in Anspruch nehmen kann.

    Nochmals vielen Dank für euren informativen Beitrag!

    Viele Grüße
    Leonie


    Quellen:
    https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_IB_Klemm-Studie_Inklusion_2015.pdf
    https://www.pedocs.de/volltexte/2017/12684/pdf/Arnold_Kremer_Mayer_2016_Concept_Cartoons.pdf

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  6. Liebe Leonie,
    vielen Dank für deinen wertvollen Beitrag!
    Ich muss dir leider zustimmen, dass es hinsichtlich der inklusiven Beschulung in Deutschland noch einen erheblichen Aufholbedarf gibt. Baden-Württemberg stellt innerdeutsch sogar das Schlusslicht bei der Inklusion dar: Zum einen ist hier das entsprechende Schulgesetz, das Eltern von Kindern mit festgestelltem Anspruch auf eine sonderpädagogische Förderung die Wahl zwischen dem Besuch einer Regel- und einer Sonderschule ermöglicht, erst mit reichlich Verspätung in Kraft getreten (vgl. Gallbronner 2015). Zum anderen ist Baden-Württemberg eines von wenigen Bundesländern, in denen die Zahl der an Sonderschulen unterrichteten Kindern nach wie vor steigt (vgl. Malecki 2014, S. 600).
    Deinen Vorschlag, Concept Cartoons in den Unterricht einzubauen, finde ich ausgezeichnet. Mit ihrer Hilfe lassen sich Präkonzepte von SuS aufdecken, um daran anknüpfend wissenschaftliche Vorstellungen und Vorgehensweisen zu reflektieren sowie einen am Individuum orientierten Lernprozess zu initiieren (vgl. Arnold, Kremer & Mayer 2016, S.34).
    Es freut mich sehr, dass das Lernen am gemeinsamen Gegenstand – wenngleich auf unterschiedlichen Niveaustufen – für dich realisierbar zu sein scheint. In Gesprächen, die sich im Nachgang zu unserer Umfrage (vgl. S.3 des Blogs) mit Kommilitoninnen und Kommilitonen ergeben haben, hat sich – für uns sehr überraschend – gezeigt, dass viele sich einen inklusiven Unterricht in Deutsch oder Mathe gut vorstellen können, nicht jedoch in den Naturwissenschaften. Letztere werden als etwas ‚Elitäres‘ oder ‚Hochkomplexes‘ wahrgenommen, das mit eingeschränkten (kognitiven) Fähigkeiten scheinbar nicht erschlossen werden könne. Wer an inklusive Beschulung denkt, hat oft lebenspraktische Konzepte wie ‚Einkaufen‘, ‚Kochen‘, ‚Haushaltsführung‘ oder dergleichen im Sinn. Dabei sind es gerade biologische Phänomene, die nahezu alle Lebensbereiche des Menschen beeinflussen und deren Vermittlung in logischer Konsequenz ein hoher Stellenwert bei allen (!) SuS eingeräumt werden sollte.
    Biologische Phänomene sind meist sehr komplex. Sie auf leicht verstehbare Basiskonzepte zu elementarisieren, ist zugegebenermaßen ein schwieriges – aber nicht per se unmögliches – Unterfangen. Wie du korrekt bemerkt hast, handelt es sich bei der inklusiven Beschulung um eine politische Forderung, ergo ergibt sich für alle Lehrpersonen die Notwendigkeit und Herausforderung, sich mit der didaktischen Reduktion biologischer Inhalte differenziert auseinanderzusetzen. Wie wir geschrieben haben, gibt es für einen inklusiven Biologie-Unterricht kein ‚Kochrezept‘, da IBU sehr stark individuengeleitet ist. Somit unterliegt IBU einem ständigen Anpassungs- und Reflektionsprozess hinsichtlich seiner didaktischen Ausgestaltung. Die gute Nachricht für uns als angehende Lehrpersonen: IBU wird garantiert nie langweilig werden ;o)
    Ich danke dir nochmals für deinen Beitrag!
    Liebe Grüße
    Sissy

    Quellen:
    Arnold, Julia, Kremer, Kerstin & Mayer, Jürgen (2016): Concept Cartoons als diskursiv-reflexive Szenarien zur Aktivierung des Methodenwissens beim Forschenden Lernen, [online]: http://zdb.uni-bielefeld.de/index.php/zdb/article/view/324/312 [31.07.2018].
    Gallbronner, Ute (2015): Umstrittene Inklusionsquote, [online]: https://www.swp.de/suedwesten/landespolitik/umstrittene-inklusionsquote-21051477.html [31.07.2018].
    Malecki, Andrea (2014): Sonderpädagogischer Förderbedarf – eine differenzierte Analyse, [online]: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/WirtschaftStatistik/BildungForschungKultur/SonderpaedagogischerFoerderbedarf_102014.pdf?__blob=publicationFile [31.07.2018].

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  7. Liebe Bloggerinnen,
    danke für euren kreativ gestalteten und informativen Blogbeitrag. Ich bin begeistert von eure Ideen und wie ihr „euer Magazin“ aufgezogen habt. Didactica, die Referendarin, macht euren Blogeintrag lebendig. Zuvor hatte ich noch keine Berührungspunkte zu den Vorteilen von Inklusion. Ich war in meinem Einführungs- und Orientierungspraktikum zwar damit konfrontiert, habe mir jedoch keine Gedanken bezüglich den positiven Auswirkungen auf Lehr- und Lernprozesse im Biologieunterricht gemacht.
    Was verstehe ich unter „Inklusiver Fachdidaktik“? Auf meiner Suche nach der Antwort bin ich auf den Titel eines Buches gestoßen, welches meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf trifft. Der Untertitel „Auf der Suche nach didaktischen Leitlinien für den Umgang mit Vielfalt in der Schule“ in „Fachdidaktik inklusiv“ von Amrhein und Dziak-Mahler beschreibt das Wesentliche der Inklusiven Fachdidaktik.
    Zu der Frage inwiefern sich die Inklusion von SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf positiv auf Lehr- und Lernprozesse im Biologie Unterricht auswirken kann möchte ich ein paar Möglichkeiten erläutern.
    Die Merkmale guten Unterrichts nach Weitzel und Schaal (2016) zeigen auf, dass Inklusion im Biologieunterricht förderlich sein kann. Ein aufgeführter Punkt ist das Lernen aus Fehlern. Verschiedene individuelle Lernleistungen tragen dazu bei, dass auch die Lernstärkeren SuS zum Nachdenken angeregt werden, falls fehlerhafte Antworten auftreten. Und nicht zuletzt heißt es „aus Fehlern lernt man.“
    Inklusiver Unterricht differenziert und individualisiert, sowie alle Menschen über die gesamte Lebenszeit hinweg betrachtet werden müssen, denn jeder Mensch weißt andere Fähig- und Fertigkeiten auf. Herausforderungen gemeinsam zu lösen stärkt nicht nur das Klassenklima, sondern auch die sozialen Kompetenzen. Stärken des einen und Stärken des anderen können zusammen Großes vollbringen. In verschiedenen Fächern gibt es SuS, die das Fach besser verstehen und beherrschen als andere und somit kann gelernt werden, dass man im Leben und in verschiedenen Situationen unterschiedliche Rollen einnehmen kann. Es ist wichtig, dass SuS erkennen, dass jeder Stärken und Schwächen aufweist. Der Umgang kann durch Erkenntnis erlernt werden.

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  8. Als Ziel kann kooperatives Lernen, wie ihr es in Abb.10 aufgeführt habt, angestrebt werden.
    Außerdem hat jeder Mensch das Bedürfnis nach „sozialer Eingebundenheit“, somit kann diesem Grundbedürfnis entgegengekommen werden.
    Wichtig für inklusiven Unterricht ist, dass viel Differenzierungsmaterial vorhanden ist. Somit kann jeder Schüler individuell gefördert und an seinem Lernstandpunkt abgeholt werden. Die inklusive Didaktik nach Feuser beschreibt diese Thematik sehr gut.
    Aber ist wirklich jeder Inhalt differenzierbar?! Ich denke schon. Wichtig ist jedoch, dass keine zu große Heterogenität in der Klasse vorhanden ist. Außerdem sollte die Zeit für den Lehrer/ die Lehrerin vorhanden sein geeignetes Material für alle individuellen Lernleistungen zu erstellen und auszusuchen. Was auch ein wesentliches Kriterium ist, ist das Klassenklima. Nur in einer angenehmen Atmosphäre kann Inklusive Fachdidaktik förderlich sein. Man könnte den Inklusiven Unterricht aber auch als Mittel zum Zweck umfunktionieren und somit für ein gutes Klassenklima und eine gute Umgangsweise untereinander sorgen. Hierbei sind SuS „gezwungen“ sich gegenseitig zu helfen und sich auszutauschen. Auch im Fach Sport kann mit Hilfe der Erlebnispädagogik ein Teil dazu beigetragen werden.
    Wenn das Problem aufkommt, dass SuS schlecht lesen können, könnte man vorlesen lassen, als Lehrer selbst vorlesen oder den Text eventuell zu einem Theaterstück oder einem Rollenspiel umfunktionieren. Wichtig ist jedoch, dass das Lesen verbessert wird, da es im weiteren Leben unabdingbar ist!

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  9. Wie kann eine eigenständige Arbeitsweise erreicht werden? Meiner Meinung nach , nach dem Prinzip des „offenen Unterrichts“. Meyer (2011) versteht unter „Öffnung der Schule“ drei relevante Punkte. Zum einen die Öffnung des Unterrichts für die Selbstständigkeit und Selbsttätigkeit. Zum anderen die fächerübergreifende und projektorienteierte Gestaltung. Letzens geht es um die Bereicherung von Fachleuten, Ausflügen etc., die zum lebendigeren Lernen beitragen können.
    Sobald der Lehrer sich der Thematik bewusst wird und den Umgang mit Inklusion erlernt, kann Inklusiver Unterricht stattfinden. Ich habe in meinem Praktikum in dem Fach Mathematik diese Art von Unterricht erleben dürfen. Zwei Lehrer standen für eine Klasse mit zwei verschiedenen Lernniveaus zur Verfügung. Aufgaben zu dem zu behandelnden Thema konnten selbst im Mathebuch gewählt werden. Dabei war es möglich innerhalb der Aufgabe das Niveau zu verändern, falls sich SuS selbst falsch eingeschätzt haben. Zur Kontrolle konnten diese an der Wand die Lösungen mit ihren bearbeiteten Aufgaben vergleichen. Es war spannend zu sehen, dass Inklusiver Unterricht bei der richtigen Vorbereitung und Durchführung stattfinden kann.
    Liebe Grüße
    Sabrina
    Literaturangaben:
    Amrhein, Bettina und Dziak-Mahler, Myrle (2014). Fachdidaktik inklusiv: Auf der Suche nach didaktischen Leitlinien für den Umgang mit Vielfalt in der Schule. Tübingen: Waxmann Verlag.
    Meyer, Hilbert (2011): Unterrichts-Methoden.2:Praxisband. Berlin: Cornelsen.
    Schaal, Steffen und Weitzel, Holger (2016): Biologie unterrichten: planen, durchführen, reflektieren. Berlin: Cornelsen.

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    1. Liebe S. Gehrung,
      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Schön, dass du dich sogar noch zusätzlich zu unserem Blog belesen hast!
      Auch ich selbst lerne immer viel durch Fehler. Deshalb stört es mich auch nicht, wenn SuS Fehler machen. Ich finde, daran kann man wunderbar anknüpfen.
      Deine Idee, dass jeder Schüler Stärken und Schwächen hat und sich gegenseitig geholfen werden kann, gefällt mir sehr gut. Denn genau das macht Kooperation, bzw. kooperatives Lernen und Lehren aus.
      Das Klassenklima spielt in jedem Setting für die SuS eine wichtige Rolle. Egal ob zu Hause, im Freundeskreis, oder in der Schule. Inzwischen verbringen sie sehr viel Zeit in der Schule. Da finde ich es wichtig, dass sie sich wohl fühlen. Deshalb ist es, meiner Meinung nach, immer wichtig, an einem guten Klassenklima zu arbeiten. Wenn die Stimmung schlecht ist, sinkt die Leistungsfähigkeit und die Lust auf den Unterricht.
      „Forscher haben herausgefunden: In Klassen mit einer angenehmen Lern- und Klassenatmosphäre sind die Schülerinnen und Schüler insgesamt zufriedener und zeigen weniger Schulangst. Sie leiden weniger unter Verstimmungen und Schulstress und fühlen sich insgesamt gesünder.“
      (http://www.bpb.de/lernen/grafstat/klassencheckup/46322/m-01-03-warum-ein-gutes-klima-wichtig-ist)
      Hier spielt auch das Zusammenspiel von Regelschullehrer und Sonderschullehrer eine wichtige Rolle. Differenzen der beiden Akteure sollten keine Grenzen darstellen, sondern neue Möglichkeiten und Wege offenbaren. Nach Martin Buber (1999) umfasst die Kooperation in der dialogischen Philosophie Einigungsprozesse im Sinne der gegenseitigen Annäherung und Abgrenzung. Basis hierfür ist die Wertschätzung der Individualität. Darüber hinaus beschreibt Kersting (2002) Offenheit und Vertrauen als Kernstück jeder sozialen Beziehung. Konflikte zwischen den unterschiedlichen Lehrpersonen sollen tragfähig und lösbar gemacht werden. Kooperative Prozesse der unterschiedlichen Akteure sollen gemeinsame, transparente und klar formulierte Ziele beinhalten (vgl. Wocken et al 1988). Gemeinsamer Unterricht ist nun auch die gemeinsame Aufgabe von mehreren Akteuren.
      Vera Moser (2018) weist darauf hin, dass pädagogisches Handeln stets in ethische Reflexionen des erzieherischen Handelns eingebunden ist.

      Siehe: https://pse.hu-berlin.de/de/forschung-und-lehre/projekte/fdqi-hu/grafiken-bilder/roterrahmen-ethischegrundlagen-1.jpg/image

      Die Heterogenität der Lehrpersonen und der SuS sollte dazu führen, dass kooperative Lern- und Lehrsituationen so organisiert werden, dass die Unterschiedlichkeit aller am Unterrichtsprozess Beteiligter auch in unterschiedlichen Lernarrangements abbildet. Und ich vermute, dass du bereits, so komplex das didaktische Modell für inklusives Lehren und Lernen, auch erscheinen mag, Unterricht in dieser Form passiv erlebt hast, so wie aktiv mitgestaltet hast.


      Literatur:
      • Kersting, H. (2002), Kooperation im gemeinsamen Unterricht ist lernbar.: [online]
      https://www.ibs-networld.de/Ferkel/Archiv/kersting-h-02-09_kooperation-vortrag.html
      [01.08.2018]
      • Moser, V. (2018), Ethische Grundlagen inklusiven Lehrens und Lernens: [online]
      https://pse.hu-berlin.de/de/forschung-und-lehre/projekte/fdqi-hu/Glossareintraege/ethische-grundlagen-inklusiven-lehrens-und-lernens/
      [01.08.2018]
      • Wocken, H., Antor, G., & Hinz, A. (Hgg.) (1988), Integrationsklassen in Hamburger Grundschulen. Bilanz eines Modellversuchs.: [online]
      http://www.hans-wocken.de/Werk/werk22.pdf
      [01.08.2018]

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  10. Liebe Bloggerinnen,

    vielen Dank für den sehr spannenden und aktuellen Blogbeitrag.
    Ich selbst studiere Sonderpädagogik, deshalb ist das Thema Inklusion bei mir sehr präsent und wurde in einigen Veranstaltungen angerissen bzw. erwähnt. Was ich jedoch viel erstreckender finde, ist, wenn ich mit Freunde von mir sprechen die Grundschullehramt oder auf SEK 1 studieren und dann das Thema Inklusion aufkommt, sehe ich nur ratlose Gesichter. Was sehr schlecht ist, denn gerade diese Lehrämter mit der Inklusion konfrontiert werden. Aber in deren Studiengänge haben sie kaum bis gar kein Kontakt mit der Inklusion und wissen nicht worauf sie sich später einstellen müssen. Sie werden quasi ins kalte Wasser geworfen, deshalb finde ich es gut, dass ihr dieses Thema euch ausgesucht habt und uns somit einige Ideen gebt, wie Inklusiver Unterricht aussehen kann.

    Deutschland kommt schleppend voran, wenn es um Inklusion geht. Einige Bundesländer wie Bremen und Schleswig-Holstein übernehmen die Vorbildfunktion, aber in den Bundesländern wie z.B. Bayern muss noch sehr viel aufgeholt werden. Im Europavergleich liegt Italien an der Spitze, denn seit 1971 wurde per Gesetz die Inklusion beschlossen. Offiziell werden auf Regelschulen 99% aller Kinder mit Behinderung inklusiv beschult.
    Wie wenig Deutschland für die Inklusion tut, wird durch die Bertelsmann Stiftung deutlich. Denn laut deren Stiftung (mit Bezug auf die KMK 2014 und 2015) hat Deutschland eine Förderquote (Anzahl aller SuS mit sonderpädagogischen Förderbedarf) von 6,8%. Von diesen 6,8 Prozent wurden im Schuljahr 2013/2014 rund 4,7 Prozent exklusiv und nur 2,1 Prozent inklusiv in allgemeinen Schulen unterrichtet. Diese Zahlen zeigen deutlich, dass Deutschland was das Thema Inklusion betrifft einiges nachzuholen hat.

    Nun noch kurz zu euren gestellten Fragen:
    1.) Jeder SuS bringt eigene Stärken oder auch Sichtweisen mit, wie man nochmals anders auf den Lerngegenstand blicken kann. Dadurch kann ein Unterricht vielseitiger gestaltet werden. Durch inklusiven Unterricht können sich die SuS mit oder ohne Behinderung gegenseitig helfen und verstärken, sodass jeder in dieser Unterrichtseinheit etwas lernen konnte (z.B. Fachwissen oder aber auch das zwischenmenschliche Miteinander). Außerdem kommen den SuS ohne Behinderung die Methoden der Sonderpädagogik auch zu gute.
    2.) Bei den Inhalten und der Auswahl der Versuche/Materialien kommt es letztendlich darauf an, wie genau diese eine Klasse ist. Man kann das nicht verallgemeinern, sondern muss für jede Klasse und jeden SuS genau schauen und überlegen, was gut machbar wäre und wo jeder davon was lernen kann. So kann man mit manchen SuS aus dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung durchaus die Zelle behandeln, wenn das Kind sich dafür sehr interessiert. Deshalb würde ich pauschal nicht sagen, dass es Themen/Versuche/Materialien gibt, die man in der Inklusion nicht verwenden kann.
    3.) Der Unterricht wie ich ihn noch kenne, dass die Lehrperson vorne steht und nur erzählt und wir abschreiben bzw. nur Arbeitsblätter gibt, ist nicht für die Inklusion geeignet. Feusers Didaktik kann sehr gut auf den Biologie-Unterricht angewendet werden. Für mich bedeutet dies, dass alle zum gleichen Thema arbeiten und anfangs auch die gleichen Aufgaben haben und später dann in der Tiefe differenziert wird. Jedoch soll möglichst allen das gleiche Wissen vermittelt werden!
    4.) Eure Vorschläge, wie man SuS, der nur schwer bis gar nicht lesen kann, eine Anweisung geben kann, finde ich sehr gut.Eine weitere Möglichkeit wäre noch Lernpartnerschaften zu bilden, wo sich die SuS gegenseitig helfen beim Lesen/Dokumentieren und somit gemeinsam Dinge entdecken können.
    5.) Leider höre ich durch euren Blogbeitrag das erste Mal vom IBU. Aber umso schöner, dass ich ihn nun kennenlernen durfte.

    Liebe Grüße,
    Sophie Rothfuß

    Quelle:
    >https://rollingplanet.net/inklusion-in-europa-wer-es-gut-macht-wer-es-schlecht-macht/
    >https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Studie_IB_Klemm-Studie_Inklusion_2015.pdf

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  11. Liebe Sophie,
    vielen Dank für deinen aufschlussreichen Beitrag und dein positives Feedback, das uns sehr freut!
    Das Wahlrecht auf eine inklusive Beschulung ist gesetzlich verankert und schließt keine (!) Schulart aus. Ergo ist es zwingend erforderlich, dass nicht nur (angehende) Sonderpädagogen, sondern auch (angehende) SEK I- und Grundschullehrer_innen inklusionsdidaktisch geschult werden. Die ‚ratlosen Gesichter‘, die du beschreibst, rühren vermutlich aus dem Gefühl, fachlich, didaktisch und gegebenenfalls auch einstellungstechnisch nicht adäquat für IBU vorbereitet zu sein. Letzteres meine ich absolut nicht wertend: Ich studiere genauso wie du Sonderpädagogik und ich habe mich ganz bewusst dafür entschieden. Ich kann jedoch Bedenken derjenigen verstehen, die – salopp formuliert – von der Inklusion ‚überfallen‘ werden.
    Ich hatte die Möglichkeit, in Jena an verschiedenen inklusiv agierenden Gesamtschulen zu hospitieren. Jena nimmt in Bezug auf sein inklusives Schulkonzept eine Sonderstellung ein: 90% der SuS mit sogenanntem sonderpädagogischem Förderbedarf (darunter auch schwerst mehrfach behinderte SuS) werden inklusiv beschult (vgl. Stridde 2018). Ein Wahlrecht zugunsten einer exkludierenden Sonderschule besteht hier nicht mehr. Worauf ich hinaus will: An den Jenaer Schulen sieht man, dass Lösungen gefunden werden, den Unterricht differenziert zu gestalten, wenn man mit der entsprechenden Situation konfrontiert ist (was im Ländle aufgrund der vergleichsweise geringen Inklusionsquote noch nicht flächendeckend erforderlich scheint).
    In Jena durfte ich einer Stunde im Sachunterricht des Primarbereichs beiwohnen. Circa ein Drittel der Klasse hatte einen attestierten sonderpädagogischen Förderbedarf unterschiedlichen Schwerpunkts. Alle SuS arbeiteten an ihren ‚Insekten-Forscherheften‘, die rein äußerlich nicht voneinander zu unterscheiden waren. Auch der Lerngegenstand (Metamorphose) war derselbe. Alle SuS hatten Boxen mit Käferlarven vor sich. Die Forscherhefte waren in dreierlei Differenzierungsstufen ausgegeben worden: SuS mit schwach ausgeprägten inhaltlichen und Schriftsprachkenntnissen mussten z. B. nur Kreuzchen bei Bildern setzen, die einen zu beobachtenden Metamorphosezustand kennzeichneten, wohingegen SuS ohne jeglichen Förderbedarf die vorherrschenden Metamorphoseprozesse ohne inhaltliche Hilfestellung schriftlich fixieren mussten. Trotz der unterschiedlichen Aufgabenniveaus war keine segregierende Wirkung im Klassenverband spürbar, da alle am gemeinsamen Gegenstand operierten. Im Gegenteil: fitteren SuS konnte man ihren Stolz ansehen, ihren unterstützungsbedürftigeren Mitschülern Hilfestellung zu geben.
    Du magst vielleicht noch nicht von IBU gehört haben, aber vielleicht hast du ja doch inklusiven Biologie-Unterricht im OEP miterleben können, der nicht als ‚IBU‘ deklariert war. Manchmal ist es den Lehrpersonen gar nicht bewusst, dass sie eigentlich bereits individuengerecht differenzieren und didaktisch reduzieren. Letzten Endes geht es bei IBU ja nicht darum, alles Bisherige komplett auf den Kopf zu stellen. Vielmehr sollte man sich als Lehrperson die Frage stellen, wo bei bestehenden Lernsettings Barrieren entstehen könnten und wie man diese auf geeignete Art entfernen oder zumindest erheblich reduzieren kann, damit nicht die SuS sich dem Unterricht, sondern der Unterricht sich den SuS anpasst.
    In Anbetracht der obigen Ausführungen würde ich es begrüßen, wenn Inklusion zu einem festen Bestandteil der Studienordnung aller Lehrämter gehören würde. Verpflichtende Seminare zu inklusiver Fachdidaktik könnten so dazu beitragen, Ängste oder gar Vorurteile abzubauen, sonderpädagogisches Wissen zu vermitteln und den Grundstein dafür zu legen, inklusiven Unterricht als Chance für alle zu begreifen.
    Liebe Grüße
    Sissy
    Quelle:
    • Stridde, Thomas (2018): Jenas Sonderstellung bei der Inklusion, [online]: https://jena.otz.de/web/jena/startseite/detail/-/specific/Jenas-Sonderstellung-bei-der-Inklusion-1424152765 [05.08.2018].

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  12. Hallo ihr alle,

    den Blogbeitrag als Magazin zu gestalten war eine wirklich tolle Idee und auch sicherlich viel Arbeit für euch! Man merkte beim Lesen, wie viel Mühe ihr euch gegeben habt (die Mühe hat sich definitiv gelohnt) und durch Didactica fühlte ich mich auch super durch das Magazin begleitet ;)

    Erst vor kurzem ist mir auf Facebook ein Zitat begegnet, das mir so gut gefallen hat, dass ich es gespeichert habe und nun mit euch teilen möchte:

    „Ich – ich,“ sagte Elizabeth Ann, „ich weiß gar nicht welche Klasse ich nun bin. Ich bin zweite Klasse Rechnen und siebte Klasse Lesen und dritte Klasse Rechtschreibung – welche Klasse bin ich denn nun eigentlich?“
    Die Lehrerin lachte. „Du bist überhaupt keine Klasse. Du bist Betsy, und damit gut. Es spielt doch gar keine Rolle, in welcher Klasse du gerade bist, findest du nicht? Warum solltest du Babygeschichten lesen, die für dich zu leicht sind, nur weil du dein Einmaleins nicht kannst?“
    (Dorothy Canfield Fisher, Das allerbeste Apfelmus, 1917)

    Dieses Zitat zeigt mir zwei Dinge:
    1. Jedes Kind lernt individuell, jedes Kind ist individuell und jedes Kind hat individuelle Stärken und Schwächen. Ganz egal ob es sich dabei um ein Kind mit sonderpädagogischen Förderbedarf oder ohne handelt.
    2. Die Aufgabe von uns als angehende Lehrkräfte ist es, dies zu erkennen und vor allem zu verstehen. Nur dann können wir jedes Kind dort abholen, wo es sich gerade befindet und entsprechend fördern. Und ist nicht das genau der Punkt, der Inklusion ausmacht?

    Die Stärken des einen Kindes können die Schwächen des anderen Kindes sein und umkehrt. Dies bedeutet dann aber nicht, dass diese Kinder in unterschiedliche Klassen müssen und nicht gemeinsam unterrichtet werden können. Viel besser ist es doch, wenn man diese Heterogenität nutzt. „Miteinander leben und voneinander lernen“ statt Homogenität sollte hier in den Fokus rücken.

    Meiner Meinung nach ist dies aber nicht nur im Deutsch- oder Matheunterricht möglich. Biologie umgibt uns überall. Biologie ist so lebensweltnah für die Schüler wie kaum ein anderes Fach. Deshalb gibt es sicherlich zahlreiche Differenzierungsmöglichkeiten für IBU, wie auch schon Leonie in ihrem Kommentar gut beschrieben hat!

    In meinem OEP habe ich in einem SBBZ mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung eine Biologiestunde gehalten, die man auch für Inklusionsklassen an Regelschulen ausbauen könnte.
    In erster Linie ging es um die Sinne des Menschen. Dazu wurden viele verschiedene Gegenstände und Lebensmittel auf dem Tisch verteilt und die SuS aus zwei unterschiedlichen Klassen sollten gemeinsam herausfinden was diese Dinge miteinander zu tun hatten. Was hat die Zitrone mit der Rassel zu tun und was mit dem Schaffell?

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    1. Jeder SuS durfte den Gegenstand in die Hand nehmen, erhören oder auch schmecken. Während es bei den schwerstmehrfachbehinderten Kindern mehr um die unterschiedlichen Sinneserfahrungen ging, sollten die etwas fitteren SuS erklären mit welchem Sinnesorgan diese Erfahrung wahrgenommen wird und je nach dem sogar wie dies funktioniert.
      Alle SuS haben mit dem gleichen Lerngegenstand gearbeitet und doch auf ganz unterschiedlichen Ebenen mit unterschiedlichen Zielen.
      Die einzelnen Sinne und ihre Organe wurden in den nachfolgenden Stunden vertieft. Zum Abschluss der Unterrichtseinheit wurden dann in der letzten Stunde alle Gegenstände aus der ersten Stunde erneut mitgebracht und eine Tabelle angefertigt mit welchen Sinnen man welches Objekt wahrnimmt. Die Rassel kann man nicht nur hören, sondern auch fühlen und sehen. Die Zitrone kann man sehen, fühlen, schmecken und riechen.

      Im Bildungsplan der Grundschule (2016) findet man das Thema unter Sachunterricht. Expliziert aufgeführt sind unter anderem folgende Kompetenzen:

      Die SuS können:
      - den eigenen Körper sowie körperliche Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sowie Kindern mit und ohne Einschränkungen bewusst wahrnehmen
      - sich in der konkreten Auseinandersetzung der Aufgaben und Leistungen unserer Sinnesorgane bewusst werden; dazu Experimente
      (Quelle: http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW_ALLG_GS_SU_IK_1-2_02_01.7)

      Auch im Bildungsplan für die Sekundarstufe 1 (2016) sind die Sinne für die Klasse 7/8/9 verankert. Dort heißt es: „Die Schülerinnen und Schüler kennen Sinnesorgane des Menschen und ihre Bedeutung für die Informationsaufnahme aus Umwelt und eigenem Körper“. Die genauen Kompetenzen könnt ihr hier nachlesen: http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/BIO/IK/7-8-9/02/05 .

      Meiner Meinung nach eignet sich deshalb die Thematik besonders gut für IBU. Die SuS lernen mit- und voneinander und doch wird niemand (aufgrund des differenzierten Unterrichts) über- oder unterfordert.

      Vielleicht kann der ein oder andere meinen Kommentar sogar als Anregung für seinen eigenen inklusiven Biologie-Unterricht verwenden :)

      Ich finde es toll, dass ihr euren Blog der Thema Inklusion im Zusammenhang mit dem Biologieunterricht gewidmet habt. Auch ich hatte bisher das Gefühl (wie in einigen anderen Kommentaren schon beschrieben), dass die Thematik leider in vielen Seminaren zu kurz kommt, obwohl sie so wichtig ist!

      Viele Grüße
      Lena

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    2. Liebe Lena,
      vielen Dank für deine positive Rückmeldung!
      Dein Zitat finde ich richtig gut. Es drückt auf sehr einfühlsame Weise aus, dass jedes Kind, unabhängig davon, ob es nun einen Förderbedarf aufweist oder nicht, individuell lernt. Es zeigt aber auch, dass unsere Gesellschaft noch immer in Schubladen denkt. Die Frage, welche Klasse, welche Schulart ein Kind besucht, entscheidet noch immer, welche Laufbahn ein Mensch höchstwahrscheinlich einschlagen wird. Wie weit der Weg zu einer allgemeinen inklusiven Beschulung ist, zeigen auch Ergebnisse einer repräsentativen bundesweiten Befragung von Lehrkräften, aus dem Jahr 2017, in Auftrag gegeben von der VBE.
      Diese möchte ich hier kurz auszugsweise vorstellen, denn auch sie verdeutlichen, dass eine Professionalisierung der Lehrkräfte bzgl. Inklusion allgemein, aber auch speziell im Fach Biologie unabdingbar ist.

      Generelle Meinungen und Einstellungen zur Inklusion an Schulen:
      Unter der Voraussetzung, dass die finanzielle und personelle Ausstattung der Schulen in Deutschland für einen inklusiven Unterricht sichergestellt wäre, halten aktuell 54% der befragten Lehrer eine gemeinsame Unterrichtung von allen Kindern mit und ohne Behinderung grundsätzlich für sinnvoll.
      42% der Lehrer halten es hingegen auch im Falle entsprechender finanzieller und personeller Rahmenbedingungen für sinnvoller, wenn Kinder mit einer Behinderung in speziellen Förderschulen unterrichtet werden.

      Was spricht für eine gemeinsame Unterrichtung von allen Kindern
      mit und ohne Behinderung?
      %
      •Förderung von Toleranz 30
      •Förderung sozialer Kompetenzen 27
      •Soziales Lernen 23
      •Abbau von Vorurteilen 8
      •Chancengleichheit 8
      •Recht auf Gleichbehandlung 8

      Was spricht gegen die gemeinsame Unterrichtung von allen Kindern mit und ohne Behinderung?
      %*
      •Erhöhter Förderbedarf von der Regelschule nicht leistbar 14
      •Benachteiligung „Nichtbehinderter“ SuS 13
      •Fehlendes Fachpersonal 21
      •Mangelnde Schulung der L. für Inklusion 17
      •Mangelnde materielle Ausstattung 10
      •Mangelnde finanzielle Ausstattung 10
      * nur die 6 größten Posten aufgeführt-an 100% fehlende Angaben = Sonstige

      Diese Zahlen stellen zwar nur einen Ausschnitt dar, dennoch lässt sich daraus durchaus ableiten, dass einige Lehrkräfte zwar einerseits eine inklusive Beschulung befürworten, andererseits aber auch deutliche Vorbehalte gegenüber einer durchweg inklusiven Beschulung haben.



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    3. Das Fach Biologie ist nicht nur, wie du richtigerweise darstellst, ein Fach mit hohem Lebensweltbezug. Eine naturwissenschaftliche Grundbildung ist für die Lebensbewältigung in der Gesellschaft Voraussetzung, auch um dem raschen technologischen, kulturellen und sozialen Wandel gewachsen zu sein. Der Bildungsplan im Förderschwerpunkt Lernen verweist an verschiedener Stelle auf den hohen Bildungswert des Faches Biologie. So erwerben z.B. die SuS Im Kompetenzfeld „Leben in der Verantwortung“ Kompetenzen, die sie befähigen, verantwortungsvoll mit sich und der Umwelt umzugehen (Vgl. Bildungsplan 2008 Förderschule, S. 207 f.) Dies deckt sich mit dem Kompetenzbereich „Bewerten“ des Bildungsplanes der Sekundarstufe 1 (Vgl. Bildungsplan Sekundarstufe 1, BNT und Biologie, 2.3 Bewertung). Der Sachverhalt, dass sich viele Themenbereiche der unterschiedlichen Bildungspläne ähneln, legt nahe, dass eine gemeinsame Unterrichtung aller SuS mit den verschiedensten Differenzierungsmöglichkeiten, aber auch mit entsprechenden personellen und materiellen Mittel möglich sein sollte.

      Dein aufgeführtes Beispiel „Sinne“ veranschaulicht sehr gut, wie SuS am gleichen Lerngegenstand mit unterschiedlichen Lernzielen arbeiten können. Dass Du die verschiedenen Bildungspläne unter einen Hut bringst zeigt, dass das von dir gewählte Thema „Sinne“ sich in der Tat sehr gut für inklusive Settings eignet. Auch dass du den Bildungsplan der Grundschule mit einbeziehst finde ich sehr gut. Denn, vergessen wir nicht: die Grundschule differenziert seit jeher in verschiedene Leistungsniveaus.

      Vielen Dank nochmal an Dich für deinen sehr informativen Kommentar.
      Liebe Grüße
      Kathrin

      Quellenangabe:
      https://www.vbe.de/service/meinungsumfragen/inklusion-2017/
      http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/BIO/PK/03
      http://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-SBBZ/SBBZ-Lernen/Bildungsplan_FS.pdf




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  13. Liebe Komilitonninen und Komilitonen,

    Heute kam ein sehr interessanter Artikel zum Lehrermangel in der FAZ.
    Ihr fragt euch jetzt vielleicht: Lehrermangel – Inklusion und IBU...wie passt das zusammen?

    Nun ja, in dem Zeitungsartikel kamen mehrere Lehrkräfte zu Wort, vorrangig zwar aus der Grundschule, aber im Grunde betrifft die Problematik ebenso die Sekundarstufe I, wie auch die verschiedenen SBBZs. Es geht in dem Beitrag nicht nur um den Lehrermangel, sondern auch, und das nicht nur nebensächlich, um die enormen Schwierigkeiten, guten Unterricht in heterogenen Gruppen und inklusiven Settings zu halten. Angesichts des großen Mangels an qualifizierten Lehrkräften verschärft sich die Situation noch zusätzlich. Viele der Lehrkräfte geben an, auf derlei Situationen nicht vorbereitet worden zu sein. Auch wünschen sich die meisten, dass sie qualifizierte Kollegen an die Seite gestellt bekommen, um die Herausforderung Inklusion meistern zu können.

    Das führt uns nun wieder zum Thema unseres Blogs: IBU – Inklusiver Biologieunterricht. Wir haben euch in unserem Beitrag einige Vorschläge genannt, wie IBU gelingen kann. Auch Lena, Sophie, Sabrina, Leonie und Jana haben weitere gute Vorschläge eingebracht.
    Ich möchte euch in diesem Zusammenhang noch ein Forschungsprojekt der Uni Rostock vorstellen, welches ihr unten (link) nachlesen könnt. (Leider konnte ich das Bild mit dem exemplarischen Kompetenzraster nicht hochladen...)

    Bei diesem Forschungsprojekt geht es darum, herauszufinden, inwieweit speziell konzipierte Kompetenzraster für heterogene Lerngruppen nicht nur lernförderlich sind, sondern auch darum das Spannungsfeld zwischen zieldifferentem Unterricht und Standardisierung aufzulösen,

    „indem Kompetenzbeschreibungen in verschiedenen Niveaustufen transparent gemacht und somit zieldifferentes Arbeiten im Unterricht ermöglicht wird (vgl. Krille, 2016)“.

    Hier ein exemplarisches Bsp:

    https://www.biodidaktik.uni-rostock.de/fileadmin/unirostock/Alle_MNF/Bio_Didaktik/Bilder/Heterogenitaet_und_Inklusion/Handout-Grimm_2018.pdf

    Nun unsere Fragen an euch:
    Was haltet ihr von solchen Kompetenrastern?
    könnt ihr euch vorstellen eine Inklusionsklasse zu unterrichten?
    Habt Ihr evtl. schon Erfahrungen mit inklusivem Biounterricht sammeln können?
    Könnt ihr euch vorstellen, dass IBU mit den genannten und euren eigenen Vorschlägen gelingen kann?

    Wir freuen uns auf weitere interessante Ideen und Kommentare von euch.

    Liebe Grüße
    Kathrin

    Quellen:
    https://www.biodidaktik.uni-rostock.de/fileadmin/unirostock/Alle_MNF/Bio_Didaktik/Bilder/Heterogenitaet_und_Inklusion/Handout-Grimm_2018.pdf
    Frankurter Allgemeine Sonntagszeitung. (19.August 2018): Nr. 33D D56112 (Hg: D‘Inka et al.). S. 1, 8


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    1. Liebe Redaktion ;)

      auch von mir nochmal ein großes Lob für die gute Arbeit! Ein sehr schöne Idee, den Beitrag als Zeitschrift zu gestalten. Auch ich finde, dass man durch Didactica gut geführt wird, obwohl die Strukturierung auch so schon sehr gelungen ist.

      Die großen Themen Inklusion und Differenzierung! Man hört es überall! Ich selber studiere SekI und werde mit den Begriffen (häufiger Differenzierung) zwar oft konfrontiert, aber wie schon andere berichtet haben, hänge auch ich ein bisschen in der Luft.
      Ich denke viele Erfahrungen kann man auch erst im Berufsleben sammeln und muss sich dann in dem Moment damit auseinandersetzen und eine Lösung finden.
      Dennoch sollte man auf verschiedene Situationen vorbereitet werden.

      Es ist ein Thema, dass immer wieder diskutiert wird. Sollten alle Schüler gemeinsam beschult werden oder nicht? Natürlich findet man für jede Form der Ausführung Pro- und Contra-Argumente. Aber schaffen wir durch eine Trennung nicht immer auch eine Ungerechtigkeit?
      Haben wir nicht alle die gleichen Rechte?
      Mir war garnicht bewusst wie spät erst das Recht auf Bildung für Menschen mit Behinderung rechtlich verankert wurde!

      Meiner Meinung sollte diese Frage überhaupt nicht aufkommen.
      Ich denke dass Inklusion sich nicht nur positiv auf Lehr- und Lernprozesse äußert, sondern auch sehr wichtig für die Sozialstruktur der Gesellschaft ist. Denn so lernen die Kinder von anfang an Akzeptanz aller Menschen, erleben Vielfalt der Gesellschaft und voneinander zu lernen.

      Besonders im Fach Biologie sehe ich gute Möglichkeiten der Umsetzung, den Unterricht für alle Schüler attraktiv zu gestalten. Wie auch schon Lena geschrieben hat, da die Biologie so Lebensnah ist und einige Bereiche gut greifbar sind, ermöglicht dies ein gutes Verständnis. Das Lernen in funktionalen Netzen, wie sie von euch erwähnt wurden, kann hier sehr gut erzielt werden und wie man an dem Beispiel von Lena (Einheit im Unterricht mit den Sinneswahrnehmungen) sehen kann ist eine miteinbeziehung aller Schüler gut umsetzbar.

      Alle Schüler konnten die Erfahrung machen, dass sie mit verschiedenen Sinnen unterschiedliches wahrnehmen.
      Vielleicht auch ein Beispiel für die Inklusive Didaktik nach Feuser, welche ihr auf Seite 7 in eurem Magazin aufführt?!

      Sein didaktisches Fundament mit dem “Moment des Humanen” und dem “Moment des Demokratischen” gefallen mir sehr gut. Sie gestehen jedem SuS gleichzeitig seine Individualität ein und machen ihn dennoch zum Teil der Gemeinschaft.

      Viele Güße
      Sara

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    2. Teil I
      Liebe Sara,
      erst einmal herzlichen Dank für deine positive Rückmeldung, über die wir uns sehr gefreut haben!
      Wenngleich der Begriff ‚Inklusion‘ in aller Munde ist, zeigen Statistiken, dass das deutsche Bildungssystem noch einen weiten Weg vor sich hat bis aus dem Schlagwort Realität geworden sein wird. Damit Inklusion im Schulbetrieb mit Leben gefüllt werden kann, muss sich die Lehreraus-, -fort- und weiterbildung neu orientieren und reformieren. Obwohl die UN-Behindertenrechtskonvention, die allen SuS eine diskriminierungsfreie Partizipation am Bildungssystem garantiert, bereits 2008 in Kraft getreten ist, sind die Ausbildungsprogramme für Lehrer_innen an deutschen Hochschulen noch nicht flächendeckend auf eine heterogene Schülerschaft ausgerichtet. Die Vorbereitung auf ein inklusives Schulsystem darf sich nicht nur auf die Vermittlung theoretischen Wissens konzentrieren, sondern muss ihren Fokus auch stark auf den Aufbau inklusiver Werte und Haltungen bei zukünftigen Lehrpersonen richten. Ich möchte dir den Monitor Lehrerbildung (vgl. Bertelsmann Stiftung et al. 2014) ans Herz legen. Diese Publikation zeigt Möglichkeiten auf, wie angehende Lehrpersonen für die mit der Inklusion verbundenen Herausforderungen qualifiziert werden können.
      Du wirfst die Frage auf, ob eine getrennte Beschulung der SuS in Regel- und Sonderschulen nicht per se Ungerechtigkeit bedeute. Diverse Studien haben nachgewiesen, dass SuS mit Förderbedarf im inklusiven Unterricht mehr lernen, erfolgreicher sind, besser abschneiden als vergleichbare SuS an Förderschulen, weniger von Stigmatisierung betroffen sind, durch die lernreiche Umgebung eher in der Lage sind einen Schulabschluss zu erreichen, ein positiveres Selbstkonzept entwickeln und bessere Chancen auf dem (primären) Arbeitsmarkt haben (vgl. Wocken 2007, S. 35 - 59). Unter Berücksichtigung dieser Studienerkenntnisse möchte ich deine Frage mit einem deutlichen ‚ja‘ beantworten: Jedem Lernenden muss die Wahlmöglichkeit gegeben werden, sich dort beschulen zu lassen, wo er für sich individuell den größten Erfolg erzielen kann. Nun bedeutet eine Beschulung eines Schülers mit Förderbedarf an einer Regelschule aber nicht per se, dass tatsächlich Inklusion stattfindet. Ausgrenzung entsteht nicht ausschließlich durch ein segregierendes Schulsystem. Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen (CRPD) definiert „echte“ Inklusion so, dass „Inhalte, Methoden, Strukturen und Strategien des Lernens sich an die Bedürfnisse der einzelnen anpassen. Sie [die Inklusion] ist gerichtet auf die Entfaltung des menschlichen Potenzials, der Würde, des Selbstwertgefühls und der Anerkennung von Unterschiedlichkeit in sicheren, lernfreundlichen und lernförderlichen Umgebungen. In der Segregation werden hingegen die Lernenden mit Behinderungen in behinderungsspezifisch ausgelesenen Gruppen isoliert und erhalten keine hochwertige Bildung. Die Integration nimmt Menschen mit Behinderungen in das Regelsystem zwar auf, aber erzwingt ihre Anpassung an das System. Auch hier gibt es Formen von Segregation, wenn Lernende mit Behinderungen innerhalb der Regelschule als Gruppe isoliert werden“ (Schumann 2016).
      Es freut mich, dass du Feusers Didaktik aufgreifst. Meinem Verständnis nach hat er mit der ‚kategorialen Einsicht‘ das umschrieben, was wir heute als ‚Basiskonzept‘ bezeichnen. Du führst in diesem Zusammenhang als Beispiel an, dass SuS unterschiedliche Sinneserfahrungen mit demselben Lerngegenstand machen. Um das Beispiel des Blogs (Änderung der Aggregatzustände) fortzuführen: Die SuS mögen sich durchaus mit unterschiedlichen Bildungsinhalten beschäftigen (ein Lernender lässt das Eis z. B. in der Hand schmelzen während ein Mitschüler ein genaues Beobachtungsprotokoll anfertigt), diese unterschiedlichen Inhalte beziehen sich jedoch auf denselben Bildungsgehalt (Übergang in unterschiedliche Aggregatzustände). Auf dieser Grundlage kann eine gemeinsame Reflexion des Gelernten erfolgen.

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  14. Teil II
    Eine besondere Bedeutung kommt im Bildungsplan der Sekundarstufe I dem Kompetenzerwerb zu. Ausgehend von Alltagsvorstellungen werden im Biologie-Unterricht weitergehende naturwissenschaftliche Sicht- und Arbeitsweisen entwickelt. Durch eigenes Erleben und Handeln, beim genauen Beobachten und Beschreiben, beim eigenständigen Fragen, Untersuchen, Experimentieren und Auswerten, beim Präsentieren und Austauschen der Ergebnisse werden biologische Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten erfahrbar. Das Fach Biologie trägt somit wesentlich dazu bei, dass die SuS sich in ihrer durch Naturwissenschaften geprägten Umwelt zurechtfinden und aktiv an ihr teilhaben können. Die Basiskonzepte bilden den Hintergrund der in der Biologie zu behandelnden Themen. Neu gewonnene Informationen werden in das bestehende Wissensgefüge integriert. Die SuS ordnen ihre Kenntnisse dem sich entwickelnden Verständnis der Basiskonzepte zu. Sie übertragen ihre Kenntnisse auf neue Problemstellungen und wenden sie für sachbezogene Problemlösungen an. Im Zuge unserer Recherche für den Blog haben wir uns intensiv mit dem Bildungsplan der Förderschule (Bundesministerium für Kultus, Jugend und Sport 2008, S. 209 ff.) auseinandergesetzt (Anmerkung: das Fach ‚Biologie‘ existiert nicht, biologische Themen fallen unter das Kompetenzfeld ‚Natur – Technik‘). Für uns überraschend war, dass biologische Fragestellungen vorrangig als isolierte Themen – ohne funktionale Vernetzung und Integration in ein übergeordnetes (Basis-)Konzept - aufgeführt werden.
    Frage ans Plenum:
    - Könnt ihr konkrete Beispiele aus dem Bildungsplan der Förderschule nennen, wo keine bzw. kaum eine funktionale Vernetzung stattfindet? Welche Gefahren birgt dies für die SuS in Bezug auf deren Kompetenzerwerb?
    - Stichwort Basiskonzepte: Sind diese im Bildungsplan der Förderschule verzichtbar? Mit welcher Begründung?
    Liebe Sara, nochmals herzlichen Dank für deinen anregenden Beitrag!
    Herzliche Grüße
    Sissy
    Quellen:
    • Bertelsmann Stiftung et al. (2014): Monitor Lehrerbildung: Inklusionsorientierte Lehrerbildung – vom Schlagwort zur Realität?!, [online]: https://www.monitor-lehrerbildung.de/export/sites/default/.content/Downloads/Monitor_Lehrerbildung_Inklusion_04_2015.pdf [21.08.2018].
    • Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden Württemberg: Bildungsplan 2008 Förderschule, [online]: http://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-SBBZ/SBBZ-Lernen/Bildungsplan_FS.pdf [21.08.2018].
    • Schumann, Brigitte (2016): Inklusion – Deutschland legt sich quer, [online]: http://www.schule-fuer-alle.com/stuff/Deutschland_legt_sich_quer.pdf [21.08.2018].
    • Wocken, Hans (2007): Fördert Förderschule? Eine empirische Rundreise durch Schulen für „optimale Förderung“, in: Demmer-Dieckmann, Irene & Textor, Annette (Hrsg.): Integrationsforschung und Bildungspolitik im Dialog, Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

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  15. Teil 1:

    Liebe Bloggerinnen,
    Vielen Dank für euren Blogbeitrag! Er hat mir sehr viel zu denken gegeben.
    Wie Ihr nun mehrmals erwähnt habt, gilt Inklusion seit der Verabschiedung des UN-Behindertenrechtskonvention 2006 als Menschenrecht. Umso mehr überrascht es mich im negativen Sinne, wie wenig unser momentaner BU darauf ausgerichtet ist.
    Ich persönlich habe bis dato noch keine Erfahrungen sammeln dürfen mit IBU, weder in meiner eigenen Schullaufbahn noch wurde dieses Thema im Studium gezielt thematisiert.
    Bei Franke-Braun wird aufgezeigt, dass die nationalen Bildungsstandards eingeführt wurden, nachdem Deutschland bei den internationalen Schulleistungsstudien unbefriedigend abgeschnitten hat (vgl. Franke-Braun 2008, S.10). In den folgenden Kapiteln bei Franke-Braun wird jedoch nicht auf die Inklusion eingegangen, bzw. wie Inklusion in den nationalen Bildungsstandards aufgeführt werden sollte.
    Betrachtet man nun beispielsweise die Bildungspläne von 2016 aus Baden-Württemberg zum Fach Biologie, findet sich auch keine Erwähnung, wie IBU umgesetzt werden sollte. In eurem Blogbeitrag habt ihr die Problematik der Leseschwäche bei SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf aufgezeigt. Betrachtet man nun beispielsweise die Operatoren, die in den Bildungsplänen enthalten sind, wird deutlich, dass hierbei das von euch angesprochene Problem nicht berücksichtigt wurde (vgl. Bildungspläne Ba-Wü 2016). Zwar unterscheiden sich die Operatoren im Anforderungsbereich, aber dennoch sind sie für einen IBU nicht uneingeschränkt einsetzbar.
    Ihr habt die große Bedeutung von Aufgaben mit gestuften Lernhilfen aufgezeigt. Aufgaben nehmen im BU allgemein eine sehr wichtige Rolle ein, weswegen Lehrkräfte für die Entwicklung von neuen Aufgaben viel Zeit, aber auch ein gewisses Vorwissen benötigen. Hößle und Jahnke führen ihr Kapitel ein, indem die nochmal betonen, wie anspruchsvoll die Entwicklung von Aufgaben geworden ist, seit der Einführung der Bildungsstands (vgl. Kiper 2010). In der Literatur findet sich jedoch keine explizite Aufgabe für einen IBU. So habe ich beispielsweise nach einer solchen Aufgabe bei Ralle 2014 gesucht, welches viele Aufgabenbeispiele enthält. Als künftige Biologielehrkraft fühle ich mich persönlich nicht vorbereitet für einen IBU, es besteht eindeutig Nachholbedarf was dieses Thema angeht.

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    1. Liebe Ariana,

      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Bereits am 20.11.1989 wurde die UN-Kinderrechtskonvention von der UN-Generalversammlung angenommen und trat am 05.04. 1992 in Deutschland in Kraft. Diese gelten für alle Kinder, die das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. D.h. bereits 14 Jahre vor der UN-Behindertenrechtskonvetion gab es schon Rechte für Kinder, u.a. auch für behinderte Kinder. In Artikel 23 findet man:
      Förderung behinderter Kinder
      (1) Die Vertragsstaaten erkennen an, dass ein geistig oder körperlich behindertes Kind ein erfülltes und menschenwürdiges Leben unter Bedingungen führen soll, welche die Würde des Kindes wahren, seine Selbständigkeit fördern und seine aktive Teilnahme am Leben der Gemeinschaft erleichtern.
      (2) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des behinderten Kindes auf besondere Betreuung an und treten dafür ein und stellen sicher, dass dem behinderten Kind und den für seine Betreuung Verantwortlichen im Rahmen der verfügbaren Mittel auf Antrag die Unterstützung zuteilwird, die dem Zustand des Kindes sowie den Lebensumständen der Eltern oder anderer Personen, die das Kind betreuen, angemessen ist.
      (3) In Anerkennung der besonderen Bedürfnisse eines behinderten Kindes ist die nach Absatz 2 gewährte Unterstützung soweit irgend möglich und unter Berücksichtigung der finanziellen Mittel der Eltern oder anderer Personen, die das Kind betreuen, unentgeltlich zu leisten und so zu gestalten, dass sichergestellt ist, dass Erziehung, Ausbildung, Gesundheitsdienste, Rehabilitationsdienste, Vorbereitung auf das Berufsleben und Erholungsmöglichkeiten dem behinderten Kind tatsächlich in einer Weise zugänglich sind, die der möglichst vollständigen sozialen Integration und individuellen Entfaltung des Kindes einschließlich seiner kulturellen und geistigen Entwicklung förderlich ist.
      (4) Die Vertragsstaaten fördern im Geist der internationalen Zusammenarbeit den Austausch sachdienlicher Informationen im Bereich der Gesundheitsvorsorge und der medizinischen, psychologischen und funktionellen Behandlung behinderter Kinder einschließlich der Verbreitung von Informationen über Methoden der Rehabilitation, der Erziehung und der Berufsausbildung und des Zugangs zu solchen Informationen, um es den Vertragsstaaten zu ermöglichen, in diesen Bereichen ihre Fähigkeiten und ihr Fachwissen zu verbessern und weitere Erfahrungen zu sammeln. Dabei sind die Bedürfnisse der Entwicklungsländer besonders zu berücksichtigen.

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  16. Teil 2:

    Wenn ich spontan an einen Bereich denke, den ich als Lehrkraft im IBU für alle SuS positiv verwenden kann, dann ist dies die Alltagsvorstellung der SuS. Alltagsvorstellungen von SuS sind im BU ein vorherrschendes ‚Problem‘, da diese zu Lernschwierigkeiten führen können (vgl. Hammann 2017, S.15). Die Alltagsvorstellungen der SuS stellen aber auch eine gewisse Gemeinsamkeit zwischen den SuS dar, da jeder Schüler seine eigenen Vorstellungen zu biologischen Gebieten hat. Bestimmte Alltagsvorstellungen werden sich ähneln, andere wiederum unterscheiden sich. Aber für alle SuS ist es ein spannender Prozess, wenn die eigenen Vorstellungen revidiert werden. So können die SuS gemeinsam daran arbeiten und sich gemeinsam austauschen, welche Hypothesen und Vermutungen sie haben. Die SuS können so im IBU gemeinsam erforschen wie die fachlichen Vorstellungen von ihren eigenen abweichen. Dies kann bereits bei sehr einfachen Beispielen beginnen und sich stetig steigern. Ein konkretes Beispiel, wäre die Vermenschlichung der Natur (vgl. Hammann 2017, S. 33). So tendieren Kinder dazu gewisse Tiere als ‚gut‘ oder ‚böse‘ zu charakterisieren. Hierzu kann die Lehrkraft mit allen SuS, auf sehr anschaulichen Wegen aufzeigen, dass Tiere weder gut noch böse sind, sondern ihren Instinkten folgen. (Beispiel Schlange: Sie schlingt ihre Nahrung, weil sie keine Arme hat, deswegen ist sie nicht böse).
    Abschließend möchte ich noch erwähnen, dass ich mir auch künftig Gedanken zu diesem Thema mache, um möglichst gut vorbereitet für einen IBU zu sein.

    Liebe Grüße
    Ariana
    Quellen:
    Bildungspläne 2016 Baden-Württemberg, unter http://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/T/OP, aufgerufen am 28.08.2018.
    Franke-Braun, G. (2008): Aufgaben mit gestuften Lernhilfen. Ein Aufgabenformat zur Förderung der sachbezogenen Kommunikation und Lernleistung für den naturwissenschaftlichen Unterricht. Berlin: Logos Verlag
    Hammann, M./ Asshoff, R. (2017): Schülervorstellungen im Biologieunterricht. Ursachen für Lernschwierigkeiten. Seeleze: Kallmeyer in Verbindung mit Klett
    Hößle, C./ Jahnke, L. (2010): Gute Lernaufgaben für den Biologieunterricht? - Eine große Herausforderung. In: Kiper, H./ Meints, W./ Peters, S./ Schlump, S./ Schmit, S. (Hrsg.): Lernaufgaben und Lernmaterialien im kompetenzorientierten Unterricht. Stuttgart: Kohlhammer GmbH
    Ralle, B./ Prediger, S./ Hammann, M./ Rothgangel, M. (Hrsg.): Lernaufgaben entwickeln, bearbeiten und überprüfen. Ergebnisse und Perspektiven fachdidaktischer Forschung. Münster: Waxmann Verlag

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    1. Teil 2:

      In Artikel 28 geht es allgemein bei Kindern auf ein…
      Recht auf Bildung; Schule; Berufsausbildung
      (1) Die Vertragsstaaten erkennen das Recht des Kindes auf Bildung an; um die Verwirklichung dieses Rechts auf der Grundlage der Chancengleichheit fortschreitend zu erreichen, werden sie insbesondere
      a) den Besuch der Grundschule für alle zur Pflicht und unentgeltlich machen;
      b) die Entwicklung verschiedener Formen der weiterführenden Schulen allgemeinbildender und berufsbildender Art fördern, sie allen Kindern verfügbar und zugänglich machen und geeignete Maßnahmen wie die Einführung der Unentgeltlichkeit und die Bereitstellung finanzieller Unterstützung bei Bedürftigkeit treffen;
      c) allen entsprechend ihren Fähigkeiten den Zugang zu den Hochschulen mit allen geeigneten Mitteln ermöglichen;
      d) Bildungs- und Berufsberatung allen Kindern verfügbar und zugänglich machen; e) Maßnahmen treffen, die den regelmäßigen Schulbesuch fördern und den Anteil derjenigen, welche die Schule vorzeitig verlassen, verringern.
      (2) Die Vertragsstaaten treffen alle geeigneten Maßnahmen, um sicherzustellen, dass die Disziplin in der Schule in einer Weise gewahrt wird, die der Menschenwürde des Kindes entspricht und im Einklang mit diesem Übereinkommen steht.
      (3) Die Vertragsstaaten fördern die internationale Zusammenarbeit im Bildungswesen, insbesondere um zur Beseitigung von Unwissenheit und Analphabetentum in der Welt beizutragen und den Zugang zu wissenschaftlichen und technischen Kenntnissen und modernen Unterrichtsmethoden zu erleichtern. Dabei sind die Bedürfnisse der Entwicklungsländer besonders zu berücksichtigen.

      Nach Fegert und unter Berufung der UN-Kinderrechtskonvention gibt es sechs Grundbedürfnisse: 1.Liebe, Akzeptanz und Zuwendung
      2. Stabile Bindungen
      3. Bedürfnis nach Ernährung und Versorgung
      4. Bedürfnis nach Gesundheit
      5. Bedürfnis nach Schutz vor Gefahren von materieller und sexueller Ausbeutung
      6. Bedürfnis nach Wissen, Bildung und Vermittlung hinreichender Erfahrung

      So steht nicht nur der BU, sondern der Unterricht allgemein unter dem Spannungsfeld der Bildungsstandarts und der Heterogenität.

      Auch ich finde, dass sich die Alltagsvorstellungen der SuS prima eignen um daran anzuknüpfen. Denn hier kann man die SuS abholen und eine „Brücke bauen“ zum Fachwissen der Biologie. Manchmal kann aber auch ein Perspektivwechsel stattfinden, oder es entsteht ein Kontrast zu den bereits erfahrenen Alltagsvorstellungen der SuS. Aber genau das macht es auch immer wieder spannend, für uns als Lehrperson, da sich die Alltagsvorstellungen immer wieder verändern werden.
      Da Lehren immer nur Anregung zum Lernen ist, eignet sich das Modell der didaktischen Rekonstruktion von Kattmann zur Unterrichtsvorbereitung und anschließender Reflexion: Folgende drei Aufgaben stehen in enger Wechselwirkung:
      • Fachliche Klärung:
      Die fachliche Klärung ist genauso wichtig, wie die Vorstellung der SuS. Wissenschaftliche Aussagen gilt es kritisch zu analysieren und ggf. neu zu formulieren. Welche Lerninhalte sind für das Thema und das Verständnis der heterogenen SuS unabdingbar (s.a. Basiskonzepte)? Welche Fachwörter müssen eingeführt werden, auf welche kann ich evtl. sogar verzichten?
      • Erfassen von Lernperspektiven:
      Einen wichtigen Eigenwert stellen die Alltagsvorstellungen der SuS dar. Genauso gilt es aber zu klären, welche Lernvoraussetzungen möglich sind. Sie sind die unabdingbare Voraussetzung fürs Lernen. Themen mit alltagsnahen Kontext stoßen i.d.R. auf ein größeres Interesse der SuS und beeinflussen den möglichen Lernerfolg.
      • Didaktische Strukturierung:
      Die Erhebung der Alltagsvorstellungen und die fachliche Klärung fließen beide in die Planung des Unterrichts und der benötigten Materialien. Im prozessorientierten Unterricht können weitere Kompetenzbereiche gefördert werden.

      Besonders erwähnenswert finde ich auch noch, dass du dir auch künftig noch Gedanken über die Planung und Durchführung von IBU machen willst. Ich denke, damit haben wir unser Ziel erreicht!

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  17. Nicht zu vergessen:
    Quellen:
    • Buschkühle, C.-P.; Duncker, L.; Oswalt, V. (2009): Bildung zwischen Standardisierung und Heterogenität: ein interdisziplinärer Diskurs. VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden.
    • Fegert, J.M. (2006): Kindeswohl – Definitionsdomäne der Juristen und Psychologen? Vortrag vor dem 13. Deutschen Familiengerichtstag. In: Brühler Schriften zum Familienrecht, S. 43, Bielefeld.
    • Groppengießer, H.; Kattmann, U.; Krüger, D. (2017): Biologiedidaktik in Übersichten. Aulis Verlag, Seelze.
    • https://www.researchgate.net/publication/297731570_Biologie_Lernen_mit_Alltagsvorstellungen
    • Weitzel, H.; Schaal, S. (2018): Biologie unterrichten: planen, durchführen, reflektieren. Cornelsen Verlag, Berlin.

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  18. Liebe Blogger,

    vielen lieben Dank für Euren überaus informativen und sehr kreativ gestalteten Blogbeitrag!
    Euch ist es gelungen uns einen Einblick in ein sehr wichtiges und aktuelles Thema zu geben, was sowohl für die Sonderpädagogen, aber auch für die Regelschullehrer gilt.
    In den kommenden Jahren wird sich hoffentlich in Deutschland noch einiges ändern und so müssen wir alle für einen inklusiven Unterricht vorbereitet sein.
    Mit dem momentanen Schulsystem kann ich mir persönlich noch nicht vorstellen, wie es klappen soll, alle Kinder gemeinsam zu unterrichten. Hierfür werden Gesamtschulen benötigt, denn ich denke nicht, dass wir die Kinder mit Förderbedarf nur in die Hauptschule stecken können.
    Das Ziel sind schließlich heterogene Lerngruppen, in denen jeder von jedem lernt.

    Ich studiere Sonderpädagogik und habe bereits mein FSJ und mein OEP an einem SBBZ für körperliche und motorische Entwicklung absolviert. Leider habe ich noch keine Erfahrung mit inklusiver Beschulung.
    Vorstellen kann ich mir jedoch - und so ist es ja auch gedacht – dass bei einer inklusiven Beschulung zum einen auf jedes Kind individuell eingegangen wird, zum anderen, aber auch jedes Kind von jedem anderen Kind etwas lernen kann.
    Frägt ein Kind etwas, was zuvor besprochen wurde, so kann man beispielweise die Frage an die Klasse zurückgeben. Ein anderes Kind kann diese womöglich beantworten und lernt hierbei mit anderen zu kommunizieren und anderen etwas in seinen Worten zu erklären. Gleichzeitig festigt sich bei diesem Kind das Gelernte.
    Auch für das Kind, das nachgefragt hat ist dies von Vorteil, da nicht die Lehrerin es vielleicht wieder zu schwer und kompliziert erklärt, sondern es von einem gleichaltrigen Kind erklärt wird, welches womöglich Wörter verwendet, die für das Kind einfacher zu verstehen sind. Außerdem sieht das Kind, dass ein gleichaltriges Kind, es verstanden hat und wird dadurch motiviert.
    Die Kinder können so voneinander, aber auch miteinander lernen.

    Ein schönes Thema für einen inklusiven Biologieunterricht wäre „Pflanzen“, im Frühjahr beispielsweise „Frühblüher“. Hierzu könnte man eine Stationsarbeit vorbereiten. An jeder Station gibt es die Aufgabe jeweils in zwei oder drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden. So ist die Aufgabenstellung beispielsweise in leichter Sprache und durch Bilder vereinfacht.
    Außerdem kann man anschließend mit den Kindern rausgehen und die Frühblüher entdecken.
    Den fitten Kindern kann man das Blatt der Pflanze kopieren und sie müssen die entsprechende Blüte der Pflanze finden. Anderen Kindern kann man die Blüte kopieren und sie müssen diese suchen. Und vielleicht gibt es auch Kinder, für welche es eine Herausforderung ist, überhaupt Frühblüher zu finden. Hier könnte die Aufgabe lauten: „Laufe über die Wiese und sammle so viele unterschiedliche Blumen, wie du finden kannst.“.

    Eine weitere spontane Idee wäre das säen von Pflanzen, wie zum Beispiel Kresse, Bohnen oder Sonnenblumen.
    Bei der Kresse kann man innerhalb weniger Tage sehen, wie sie keimt und wächst.
    Hier könnten die Schülerinnen und Schüler individuell ein „Kresse-Tagebuch“ führen. Die stärkeren Kinder könnten zeichnen und schreiben, was sie sehen, schwächere Kinder könnten die Fortschritte malen oder mit einem Foto dokumentieren. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass man bereits Fotos vorbereitet hat und die Schülerinnen und Schüler diese mit dem Wachsgrad der Pflanze abgleichen und in Ihr Tagebuch kleben.

    Um Schülerinnen und Schüler inklusiv beschulen zu können muss man im Team arbeiten. Ich finde es wichtig, dass beim Zusammenstellen der Aufgaben die Regelschullehrerinnen und -lehrer mit den Sonderpädagogen zusammenarbeiten. Nur so kann man den Inhalt Best möglichst differenzieren und jeder Schülerin und jedem Schüler gerecht werden.

    Ich habe mit Freude Euren Blogbeitrag gelesen und freue mich schon auf meine ersten Erfahrungen in einer inklusiven Klasse.

    Liebe Grüße
    Hanna

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    1. Liebe Hanna,
      herzlichen Dank für deine positive Rückmeldung und deine inspirierenden Ideen, wie IBU gestaltet werden kann.
      Zu deinen berechtigten Zweifeln, bzgl. Inklusion im aktuellen Schulwesen, möchte ich an dieser Stell nochmals auf die von mir bereits vorgestellte Umfrage der VBE verweisen. Auch die dort befragten Lehrkräfte teilen deine Ansicht.
      Außerdem bin ich noch auf einen Zeitungsartikel vom 04.09.2018 in der Gmünder Tagespost gestoßen, bei dem die Ergebnisse einer Studie zur Inklusion der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2016/2017 vorgestellt und thematisiert werden. Die Studie macht deutlich, dass seit 2008/2009 wieder deutlich mehr Kinder mit Förderbedarf in spezielle SBBZs gehen anstatt inklusiv beschult zu werden. So nimmt die Studie nicht die Inklusions- sonder die Exklusionsquote in den Blick. Demnach besuchen in Baden-Württemberg, in Bayern und in Rheinland-Pfalz wieder mehr Kinder die Förderschule, während in Ostdeutschland dieser Anteil gesunken ist. Man kann also durchaus feststellen, dass In Baden Württemberg bei der Inklusion Stillstand herrscht. Das Kultusministerium sieht den Grund für diese Zahlen in der Wahlfreiheit der Eltern. Diese entscheiden sich tatsächlich wieder vermehrt für eine Beschulung in einem SBBZ. Laut der Landesvorsitzenden der Lehrergewerkschaft GEW liegen die Gründe für diese Entwicklung aber vor allem an den fehlenden Ressourcen. So fehlt es vor allem an entsprechen ausgebildeten Lehrern, aber auch schlicht an einer entsprechenden räumliche Ausstattung. Denn obwohl das Kultusministerium argumentiert, dass Studierende aller Lehrämter die wissenschaftlichen und schulpraktischen Grundkenntnisse der Inklusion erwerben würden, kann ich das aus meiner Sicht so nicht bestätigen. Auch aus den vorigen Kommentaren wie auch aus deinem Beitrag höre ich heraus, dass wir alle uns bzgl. inklusiver Beschulung nicht wirklich gut vorbereitet fühlen. (Vgl. Gmünder Tagespost, S. 6)
      Ich bin selbst Mutter eines autistischen Kindes, und weiß, mit welchen Hürden die Kinder und deren Eltern sich konfrontiert sehen…

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    2. Das führt mich zurück zu unserem eigentlichen Thema: IBU. Deine Vorschläge einer Unterrichtsgestaltung finde ich richtig klasse. Das Thema ‚Frühblüher‘ habe ich tatsächlich auch schon in einer Grundschule mit einer Außenklasse eines SSBZ für geistige Entwicklung durchgenommen. Den Kindern wurden verschiedene Frühblüher gezeigt, im Schulhof konnten weitere Frühblüher entdeckt werden. Die Grundschulkinder haben im Anschluss einen Vertreter, die Narzisse gezeichnet und beschriftet. Für unsere Kinder aus der G-Schule wurde eine Blütenzeichnung kopiert, und verschiedene Begriffe vorgegeben, die dann ausgeschnitten und an die richtige Stelle geklebt wurden. Weiterführend könnte man z.B. auch Zwiebeln pflanzen, beobachten, dokumentieren usw..
      Neben dem Pflanzen von Bohnensamen, so wie wir es skizziert haben, kann man sicherlich auch sehr gut verschiedenen Keimungsexperimente mit Kressesamen durchführen.

      Stefan Nessler von der Uni Köln gibt weitere Tipps zum Unterricht in inklusiven Settings, wie beispielsweise die Verwendung einer größeren Schrift, allgemein mit mehr Bildmaterial zu arbeiten, spezielle Lernecken und Rückzugsräume einrichten usw.
      Für Inklusion eignen sich laut Nessler insbesondere auch kooperative Methoden wie Think-Pair-Share Phasen, mit denen man die Schüler anders in den Unterricht einbindet. Dass man weniger Frontalunterricht macht und die Wahl der Methoden an die Bedarfe der Schüler besser anpasst. Was sich bisher gut bewährt hat, ist das Forschende Lernen, bei der die Schüler möglichst selbstständig experimentieren und arbeiten können. (Vgl. https://bildungsklick.de/schule/meldung/inklusion-im-naturwissenschaftlichen-unterricht/)

      Wie man sieht, steht der Politik, der Wissenschaft aber auch uns selbst noch eine Menge Arbeit bevor, wenn IBU gelingen soll. Ich selbst bin optimistisch, dass dies gemeinschaftlich gelingen kann. An deinen Vorschlägen kann man erkennen, dass es an Ideen nicht mangelt.

      Deshalb nochmals vielen Dank an dich für deinen konstruktiven Kommentar.

      Liebe Grüße
      Kathrin

      Quellen:
      Gmünder Tagespost. Ausgabe 4. September 2018. S. 6
      https://bildungsklick.de/schule/meldung/inklusion-im-naturwissenschaftlichen-unterricht/

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  21. Liebes Blog-Team,

    vielen Dank für euren informativen Blog-Beitrag. Ihr habt ein sehr wichtiges Thema gewählt und ich war von Beginn an sehr auf die Tipps zu der Gestaltung eines inklusiven Biounterrichts gespannt. Die Inklusion von SuS mit sonderpädagogischen Förderbedarf kann sich auf unterschiedlicher Weise positiv auf Lehr und Lernprozesse auswirken. Der Unterricht kann so gestaltet werden, dass die Auseinandersetzung mit fachlichen Inhalten als auch die Förderung von sozialen und emotionalen Kompetenzen möglich ist. (Vgl. Institut für Biologiedidaktik 2016)
    Gerade der Biounterricht bietet unendlich viele Möglichkeiten für einen inklusiven Unterricht. Experimente und Versuche können für jede Niveaustufe konzipiert werden. Bei einem Experiment zum Beispiel ist diese Differenzierung sehr gut möglich. Wie ihr in eurem Blog schon aufgezeigt habt, kann man die unterschiedlichen Niveaustufen durch das hinzufügen oder weglassen von Hilfestellungen anpassen. Symbole und Bilder können zum Beispiel zur Unterstützung bei Leseschwachen SuS angewendet werden.

    Ich bin bei meiner Recherche auf eine Methode gestoßen, die sich „Mysterys“ nennt. Es handelt sich hierbei um eine Aufgabe zum Rätseln. Den SuS werden zwei Sätze vorgelegt, die keinen Zusammenhang zueinander haben. Hierbei könnten Gruppen gebildet werden, aus leistungsstarken-und schwachen SuS. Die SuS werden zum Nachdenken angeregt und neugierig. Nachdem die SuS völlig verwirrt von den Sätzen sind, bekommen sie in Gruppen kleine Informationskärtchen, worauf Informationen zum Thema stehen, welche von den SuS nun kategorisiert, sortiert und in Beziehung zueinander gesetzt werden. Die Information wird so strukturiert, dass die Leitfrage geklärt werden kann. Durch Pfeile, Überschriften und Symbolen können die SuS die Erkenntnisse ordnen. Auch diese Methode kann perfekt in einen Inklusiven Unterricht mit eingebunden werden. Die Informationskärtchen werden an die Gruppen angepasst und dementsprechend stehen mehr oder weniger Informationen auf den Kärtchen. Die SuS können sehr kreativ und frei miteinander arbeiten und das „Mystery“ gemeinsam lösen. Falls diese Methode euch interessiert hier der Link dazu: https://www.youtube.com/watch?v=NW6nRvSNmrg, Zugriff am 14.09.2018

    Erfahrungen mit Inklusion ist mir das erste Mal während meines OEP Praktikums begegnet. Anschließend mehrmals in Seminaren und Vorlesungen. Meiner Meinung nach ist es aber schwierig sich mit dem Thema ohne Vorerfahrungen und nur theoretisch zu widmen.
    Oder was meint ihr?
    Es sollten mehr praktische Seminare zum Thema Inklusion angeboten werden, die von jedem Lehramtsstudent verpflichtend besucht werden müssen.

    Im Praktikum ist mir aufgefallen, das alles davon anhängig ist, wie gut die Lehrperson die Schüler kennt. Die Lehrperson kann somit auf jeden Schüler individuell eingehen und ihn fördern.

    Liebe Grüße
    Katja

    Institut für Biologiedidaktik, Inklusiver Biologieunterricht (IBU), Laura Ferreira González, http://www.biologiedidaktik.uni-koeln.de/11910.html, Zugriff am 14.09.2018

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    1. Liebe Katja,

      Vielen Dank für die positive Rückmeldung.
      Auch wir finden, dass Inklusion und die damit verbundene Neuausrichtung des Unterrichts ein interessantes, wichtiges aber auch schwieriges Thema ist.
      Du hast in deinem Kommentar einige sehr gute Ideen und Gedanken formuliert. So unterstütze ich deine Auffassung, dass Biologieunterricht sehr viele verschieden Möglichkeiten einer inklusiven Bildung ermöglicht. Originärer geistigen Bezug zum jeweiligen Thema, beispielweise ‚Pflanzen‘, wie wir dies in unserem Beitrag vorgestellt haben, schafft individuelle Zugänge und bietet demnach diverse Differenzierungsmöglichkeiten. Du hast dazu mit Mysterys eine sehr interessante Methode vorgestellt, die mir bisher unbekannt war. Ich habe mich deshalb auch im Internet mal schlau gemacht. Wenn ich das richtig verstehe, kommt die Methode eigentlich aus der Geografie. Aber du hast absolut recht, diese Methode kann wunderbar im inklusiven Biologieunterricht eingesetzt werden, um vernetztes Denken, eine eigenständige Arbeitsweise, Problemlösekompetenz und kooperatives Arbeiten innerhalb der Schülerschaft zu fördern. Eine sozusagen ‚Schritt für Schritt-Anleitung‘ zur konkreten Umsetzung im Biologieunterricht habe ich auf dieser Seite gefunden, die ich ergänzend zu deinem Vorschlag hier noch anfügen möchte: https://dammannka.wordpress.com/2015/10/28/methode-mystery/

      Dass du bereits Erfahrungen mit inklusivem Unterricht sammeln konntest finde ich sehr gut, denn es ist davon auszugehen, dass inklusiver Unterricht auf uns alle einmal zukommen wird. Ich selbst studiere auch Sonderpädagogik und habe auch schon Seminare mit Inklusionspädagogischem Bezug besucht. Studierende aber des Studiengangs Grundschule beispielsweise kommen mit Inklusion überhaupt nicht in Kontakt. Zwar muss jeder im Laufe seines Studiums sogenannte Inklusionspunkte „sammeln“, diese haben aber in aller Regel nicht wirklich einen Bezug zum Thema. Da sollte sich meiner Meinung nach, damit Inklusion gelingen kann, an der PH noch Einiges tun…

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    2. Deshalb möchte ich an dieser Stelle nochmals das Thema Bildung als Menschrecht aufgreifen. So hat das Deutsche Institut für Menschrechte im Jahr 2016 die Ergebnisse der Studie ‚Recht auf Bildung‘ vorgestellt. Dort heißt es:
      "In Deutschland wird zwar viel über Chancengleichheit in der Bildung diskutiert. Doch fehlt es an einer menschenrechtlichen Perspektive", resümierten die Autorinnen Mareike Niendorf und Sandra Reitz. "Wenn das deutsche Schulsystem inklusiv und diskriminierungsfrei werden soll, so, wie es Grundgesetz und Menschenrechte verlangen, muss sich Vieles im Schulwesen ändern. Dies betrifft rechtliche Regelungen genauso wie Bildungspläne, Unterrichtsmaterialien und das Schulgeschehen im Alltag." Das deutsche Schulsystem diskriminiere auf verschiedenste Weise. "Problematisch ist etwa, wenn Kindern mit Behinderungen oder geflüchteten Kindern kein umfassender Rechtsanspruch auf den Besuch einer Regelschule eingeräumt wird.“ Aber auch jenseits solcher schwierigen Zugänge zu Schule treten Diskriminierungen im Schulsystem auf. So hänge beispielsweise der Schulerfolg von Kindern und Jugendlichen nach wie vor eng mit deren soziökonomischer Herkunft zusammen.
      Zwar haben Kinder mit Behinderung das Recht auf eine inklusive Beschulung, in der Realität sieht dies aber häufig eher so aus, dass die SuS mit Förderbedarf sich in das bestehende Schulsysetm integrieren müssen. Daran scheitert leider nur allzu oft das gutgemeinte Vorhaben.

      Da das Fach Biologie mit seinem hohen Lebensweltlichen Bezug einen großen Bildungswert hat, ist es aus meiner Sicht tatsächlich unerlässlich, sich über die fachdidaktischen Konsequenzen eines IBU Gedanken zu machen.
      Ich bin dir daher für deine guten Ideen sehr dankbar, und möchte mich an dieser Stelle nochmals für deinen bereichernden Kommentar bedanken.

      Liebe Grüße
      Kathrin

      Quellen:
      https://www.institut-fuer-menschenrechte.de/menschenrechtsbildung/menschenrecht-auf-bildung/studie-recht-auf-bildung/
      https://dammannka.wordpress.com/2015/10/28/methode-mystery/
      https://www.ph-heidelberg.de/fileadmin/ms-institute/institut-ngt/dokumente/GDSU_2014manuskript_2015.pdf



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  22. Liebe Bloggerinnen,

    vielen Dank für euren tollen Beitrag! Während meines Studiums habe ich mich noch nicht so intensiv mit dem Thema „inklusiver Biologieunterricht“ beschäftigt. In eurem Magazin (das finde ich übrigens eine klasse Idee!) hat man darüber einen tollen Überblick bekommen.

    Zu Beginn seid ihr auf die Unterschiede zwischen der Biologiedidaktik und der inklusiven Biologiedidaktik eingegangen. Dabei habe ich mich gefragt: Kann man diesbezüglich überhaupt Differenzen erkennen? Nachdem ich euren Beitrag gelesen habe, kann ich eindeutig sagen: Ja, es gibt Unterschiede. Die typischen Differenzierungsmöglichkeiten wie die didaktische Reduktion, gestufte Lernhilfen oder gerade auch bei Arbeitsaufträgen auf eine einfache und symbolgestützte Sprache zurückzugreifen, war für mich nichts Neues und hätte ich sowohl der Biologiedidaktik als auch der inklusiven Biologiedidaktik zugeordnet. Einen Arbeitsauftrag jedoch nur mit Bildern zu gestalten oder einen digitalen Vorlesestift zur Verfügung zu stellen, für die SuS mit einer nicht vorhandenen Lesefähigkeit, diese Differenzierungsmöglichkeiten lassen sich eindeutig der inklusiven Biologiedidaktik zuordnen und sind für mich, als Studentin von Lehramt für die Sekundarstufe I, Neuland. Zusammenfassend kann man also sagen: Das Grundgerüst der Differenzierung (didaktische Reduktion, gestufte Lernhilfen etc.) wird erhalten, da jedoch in inklusiven Klassen eine größere Bandbreite an Vorkenntnissen und Kompetenzen herrscht, muss die inklusive Didaktik diesen Differenzen gerecht werden und demnach der Unterrichtsgegenstand viel stärker differenziert werden.

    Derartige Unterschiede in der Didaktik stellen sicherlich für die Lehrkraft im Sekundarbereich eine Herausforderung dar, sind jedoch nicht unüberwindbar. Die Informationen können in der Literatur nachgelesen werden oder es kann um Hilfe bei einem Sonderpädagogen geboten werden. Wird nun im IBU eine differenzierte, jedem Kind angemessene Didaktik verwendet, sehe ich keine negativen Auswirkungen auf die Lehr- und Lernprozesse im Unterricht. Jedoch muss berücksichtigt werden, dass dies ein enormer Zeitaufwand darstellt.

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  23. (Teil 2)

    Problematisch sehe ich jedoch folgende Situation: Wie beschäftige ich ein Kind, das weder lesen noch schreiben kann, während eines Tafelaufschriebs? Dass auf einen Unterricht ohne Tafelaufschrieb nicht gänzlich verzichtet werden solle, beschreibt Gottfried Schanz in seinen „Gedanken zum Tafelaufschrieb“. Natürlich könnte man einem Schüler mit Förderbedarf eine differenzierte Aufgabe zur Stillarbeit geben, ihn evtl. einen Film mit Kopfhörern anschauen lassen oder ihm ein differenziertes Aufgabenblatt bearbeiten lassen. Meine Bedenken dabei: Werde ich dem Schüler gerecht? Bekommt er so die Betreuung und Förderung, die ihm zustünde? Würde er in einer Förderschulklasse eine bessere Betreuung bekommen?

    An der „Prof.- Gräfe-Schule“, einer Regelschule in Buttstädt, wurde das folgendermaßen gelöst: Förder- und Regelschulpädagogen arbeiten dort Hand in Hand. Die Schüler werden prinzipiell gemeinsam Unterrichtet. Jede Stunde wird im Vorfeld von den Pädagogen besprochen. Anschließend entscheidet die sonderpädagogische Lehrkraft, ob die Stunde für ihre SuS geeignet ist. Wenn nicht, bleibt ihr die Freiheit, sich für eine andere Methode der Informationsaufnahme zu entscheiden, indem sie zum Beispiel das zu Lernende alternativ und differenziert durch eine räumliche Trennung innerhalb des Klassenzimmers selbst vermittelt. Damit bleibt die Möglichkeit zur Schaffung eines gemeinsamen Ausgangsniveaus aller Schüler entsprechend ihrer Lernvoraussetzungen für die sich anschließende Unterrichtsphase bewahrt. (vgl. Hohnstein)

    Ich denke, diese Art des inklusiven Unterrichts lässt sich sehr gut auf den Biologieunterricht übertragen. Im IBU gemeinsam einen Bach erkunden, Wasserproben entnehmen, die Tiere dort entdecken. Und dann, wenn nötig, die Themen getrennt zu vertiefen.
    Das Beispiel der Prof.- Gräfe-Schule stellt einen guten Kompromiss dar, bei dem man sowohl den Lehr- und Lernprozessen der SuS mit Förderbedarf, als auch jenen der SuS im Sekundarbereich gerecht wird.


    Liebe Grüße

    Chiara


    P.S.: Grüße natürlich auch an Didactia!
    Sie hat den Leser großartig auf eine Reise durch euren Blog mitgenommen.


    Quellen:

    Schanz, G.: Gedanken zum Tafelaufschrieb.
    Abgerufen am 07.09.2018 von: http://gym.seminar-rottweil.de/,Lde/811437

    Dr. Hohnstein, E.: Empfehlungen zur didaktisch-methodischen Gestaltung eines zieldifferenten Unterrichts in Grund- und Regelschule. (Erfurt, 2015)
    Abgerufen am 08.09.2018 von: https://www.uni-erfurt.de/fileadmin/user.../ueberarb.__Empfehlung_DidMeth.pdf

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  24. (Teil 1)
    Liebe Chiara,
    zunächst einmal herzlichen Dank für deine positive Rückmeldung zu unserem Blog!
    Wie du richtig bemerkt hast, zeichnet sich ein inklusiver (Bio-)Unterricht dadurch aus, dass dem Einsatz von Differenzierungsmethoden und -strategien sowohl hinsichtlich des Umfangs als auch bezüglich der Vielfalt eine wesentlich höhere Bedeutung zukommt als im Regelunterricht.
    Die Bandbreite der individuellen Leistungsfähigkeit der SuS in einem inklusiven Setting ist enorm und hängt auch von den jeweiligen Förderschwerpunkten der inklusiv beschulten Kinder ab. Ein inklusiver Unterricht stellt somit nicht nur eine pädagogische Herausforderung dar, sondern verlangt den Lehrpersonen auch Mut und pädagogische Kreativität ab (vgl. Werning 2010, S. 289). Wie wir in unserem Blog beschrieben haben, gibt es kein ‚Kochrezept‘ für gelingenden inklusiven Unterricht. Der von dir vorgeschlagene Weg eines Co-Teachings von Sonderpädagoge und Fachlehrer erscheint mir auch die sinnvollste Option, um fachwissenschaftliches, fachdidaktisches und inklusionsdidaktisches Know-How kontextadäquat bei der gemeinsamen Unterrichtsplanung und -ausgestaltung zu vereinen.
    Ich möchte an dieser Stelle nochmals verdeutlichen, dass es bei der inklusiven Beschulung nicht zwingend darum geht, dass alle SuS dasselbe Lernziel verfolgen. Es kann durchaus eine zieldifferente Beschulung erfolgen, wenngleich der Unterricht am gemeinsamen Gegenstand erfolgt. Letzterer kann ganz konkret sein (wie von dir vorgeschlagen z. B. das Ökosystem Bach) oder wesentlich abstrakter: der gemeinsame Gegenstand wird von Feuser nicht als das materiell Fassbare gesehen, sondern vielmehr als zentraler Erkenntnisprozess (quasi als Basiskonzept), der die hinter den beobachtbaren Erscheinungen stehenden Wirk- und Werdensprozesse betrifft (vgl. Feuser 2012). Tiefe und Umfang der zu gewinnenden Erkenntnisse sind durchaus auch differenziert zu betrachten. An dieser Stelle möchte ich auf eine aus meiner Sicht gelungene Handreichung des Pädagogischen Landesinstituts Rheinland-Pfalz verweisen (vgl. Pädagogisches Landesinstitut Rheinland Pfalz 2012, S. 23 ff.), in der Wege aufgezeigt werden, SuS mit unterschiedlichen Potenzialen, Lernvoraussetzungen und Bildungshintergründen biologische Erkenntnisprozesse zu ebnen.
    Du gehst auf die Notwendigkeit von Tafelaufschrieben ein. Letztere stellen das „Rückgrat des Frontalunterrichts“ (Meyer 1989, S. 217) dar. Inklusiver Unterricht hingegen setzt bevorzugt auf andere Sozialformen (siehe hierzu auch der Absatz „Classroom Management“ in unserem Blog). Gänzlich auf Tafelaufschriebe zu verzichten, wird vermutlich nicht praktikabel sein, dennoch sollte man immer überlegen, ob im jeweiligen Unterrichtskontext nicht andere Sozialformen förderlicher sind, das Gelernte zu veranschaulichen oder festzuhalten – vor allem auch vor dem Hintergrund, dass alle SuS – mit und ohne Förderbedarf – partizipieren können. SuS z. B. während eines Tafelaufschriebs räumlich zu separieren läuft meinem Verständnis von Inklusion zuwider, auch wenn diese Praxis faktisch leider weit verbreitet zu sein scheint.
    Du gehst – wie viele der vorigen Kommentatoren – darauf ein, dass es essenziell ist, inklusions- bzw. sonderpädagogisches Know-How vermittelt zu bekommen, um inklusiven Unterricht zu gestalten. Ich empfände es als förderlich, wenn jeder Lehramtsstudent verpflichtend ein Praktikum an einer Förderschule antreten müsste. Dies kann selbstverständlich nicht dazu führen, dass man adäquat vorbereitet ist für inklusive Settings – zumal es sehr viele verschiedene Förderschwerpunkte gibt. Aber zumindest würde sich so der Horizont erweitern und im besten Fall fühlt man sich nicht von der Inklusion „überrannt“.

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  25. (Teil 2)
    Bislang haben sich erfreulicherweise alle Kommentatoren sehr positiv hinsichtlich eines inklusiven Biologie-Unterrichts geäußert. Dennoch muss auch Raum für die sich ergebenden Hürden eingeräumt werden. Wo seht ihr möglicherweise Grenzen für einen IBU? Oder würdet ihr einzelne Themenkomplexe – z. B. Zellatmung und Fotosynthese (die übrigens kein Bestandteil des Bildungsplans Förderschule sind) – von einem IBU auslassen? Weshalb?
    Wir freuen uns auf eure Kommentare und Erfahrungen!
    Liebe Grüße, Sissy
    Quellen:
    • Feuser, Georg (2012): Thesen zu: Gemeinsame Erziehung, Bildung und Unterrichtung behinderter und nichtbehinderter Kinder und Jugendlicher in Kindergarten und Schule (von der Segregation durch Integration zur Inklusion), [online] http://www.georg-feuser.com/conpresso/_data/Feuser_-_Thesen_Integration_04_2012.pdf [19.09.2018].
    • Meyer, Hilbert (1989): Unterrichtsmethoden II: Praxisband, 2. Auflage, Frankfurt am Main: Scriptor.
    • Pädagogisches Landesinstitut Rheinland-Pfalz (2012): Umgang mit Heterogenität. Handreichung zur Umsetzung des Rahmenlehrplans Naturwissenschaften. Teil 2: Mit Aufgaben differenzieren, [online] https://naturwissenschaften.bildung-rp.de/fileadmin/_migrated/content_uploads/HR_HET_Teil3_koopLernformen_gesamt.pdf [19.09.2018].
    • Werning, Rolf (2010): Inklusion zwischen Innovation und Überforderung, in: Zeitschrift für Heilpädagogik, (08/10), S. 289.

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  26. Liebe Leser und Leserinnen,

    nun neigt sich das Semester dem Ende zu und wir wollten uns ganz herzlich bedanken für euer Interesse an unserem Blog „Inklusiver Biologieunterricht“. Es war angenehm mit euch zu bloggen. Wir haben uns über all die netten Kommentare sehr gefreut. Da lief die Moderation ganz wie von selbst.

    Leider ist die Exklusion im Südwesten Deutschland in den letzten zehn Jahren wieder gestiegen. (http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/inklusion-in-der-schule-bertelsmann-studie-zeigt-regionale-unterschiede-a-1225662.html) Dies bedeutet, dass sich einige Bundesländer, darunter auch Baden-Württemberg, nicht an die UN-Konvention angenähert haben, oder sogar noch von der Vorgabe, des gemeinsamen Lernens, entfernt haben. Vor allem Kinder mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung, sozial emotionale Entwicklung und körperlich motorische Entwicklung werden hier inzwischen bevorzugt exkludiert.

    Inklusion ist die Antwort auf die immer heterogener werdenden Klassen. Inklusion im Sinne von Bildung fordert das Bildungssystem heraus. Nicht zuletzt uns Lehrer. Wir müssen Differenzen der SuS anerkennen und als Ressource sehen. So ist Inklusion nicht nur eine politische Vorgabe, sondern auch eine persönliche Haltungsfrage eines weiten Inklusionsverständnisses. Hierbei geht es u.a. um die Überwindung der Dichotomie der SuS in „normal“ und „behindert“.

    Inklusive Lernerfahrungen prägen das Sozialverhalten der SuS. Durch das gemeinsame Lernen sollen „Barrieren“ erst gar nicht entstehen. Dabei soll Empathie gefördert werden und hiermit wiederrum die zivilgesellschaftliche Verantwortungsübernahme.

    Ich hoffe wir konnten euch viele Anregungen zum Inklusiven Biologieunterricht geben und zeigen, dass dieser immer individuell auf die SuS eingeht. Ein Kochrezept für alle Klassen in den verschiedenen Schulen gibt es nicht. IBU ist vor allem handlungsorientiert und vielfältig in seinen didaktischen und methodischen Ausgestaltungen. Einige Beispiele haben wir euch gezeigt, andere konntet ihr ergänzen. Durch die Bildungsstandarts erfolgt der Unterricht inzwischen in kompetenzgeleiteten Lehr- und Lernprozessen.

    In Deutschland gibt es noch keine einheitlichen Vorgaben für einen inklusiven Biologieunterricht. Das Thema steckt noch in den Kinderschuhen. Allerdings gibt es erste Annäherungen. Wir werden sehen, wie sich das Thema Inklusion und damit verbunden der Inklusive Biologieunterricht weiterentwickelt!

    Viele Grüße Anja mit Team
    Und natürlich nicht zu vergessen Didactia!

    Quellen:
    • https://books.google.de/books?id=jK5pAwAAQBAJ&pg=PA8&lpg=PA8&dq=Inklusion+und+Didaktik+im+naturwissenschaftlichen+Unterricht+der+Sekundarstufe+I+durch+kooperative+Seminarstrukturen&source=bl&ots=X00zbRzTwj&sig=xZFgCD0M_b3vdZ64KmPSSSLDvNQ&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwi14IHtntjdAhVF1BoKHYzMC9YQ6AEwAXoECAkQAQ#v=onepage&q=Inklusion%20und%20Didaktik%20im%20naturwissenschaftlichen%20Unterricht%20der%20Sekundarstufe%20I%20durch%20kooperative%20Seminarstrukturen&f=false
    Stand 26.09.2018
    • https://www.biodidaktik.uni-rostock.de/forschung/qualitaetsoffensive-lehrerbildung/heterogenitaet-und-inklusion/
    Stand 26.09.2018
    • https://www.aktion-mensch.de/inklusion/bildung/grundlagen/inklusive-bildung.html?gclid=Cj0KCQjw3KzdBRDWARIsAIJ8TMQJM3VRX4ylQAAJQjv9TARRxejdL5e86Ea32gr4rIOeRxJUwt2MARYaAps2EALw_wcB
    Stand 26.09.2018

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  27. Liebes Blogger Team ,

    vielen Dank für euren sehr informativen und spannenden Blogbeitrag. Eure Idee den Blogbeitrag als Magazin zu gestalten finde ich super. Ich finde es sehr ansprechend und es macht das Lesen sehr angenehm.

    Zunächst möchte ich kurz auf das Zitat aus einem Blogkommentar weiter oben eingehen, in dem ein Kind erzählt, dass es nicht weiß in welcher Klasse es eigentlich ist weil es in Rechnen zweite Klasse ist, siebte Klasse Lesen und dritte Klasse Rechtschreibung...
    Genau das, was das Kind erzählt habe ich im Rahmen meines Blockpraktikums in einer inklusiven Klasse Grundschule selbst erlebt. Es war eine Klasse 3/4 in der sowohl Kinder mit Förderschwerpunkt Lernen, als auch Kinder mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung inklusiv beschult werden. Es war tatsächlich so, dass die Kinder nicht wirklich wussten, ob sie jetzt Drittklässler oder Viertklässler sind, weil sie in allen Fächern auf einem unterschiedlichen Niveau waren.
    Aber das Interessante war, dass hier selbst die Kinder ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, in Fächern wie Mathe und Deutsch bei Arbeitsblättern aus drei verschiedenen Schwierigkeitsstufen selbst auswählen konnten, welches Arbeitsblatt sie bearbeiten möchten. Es wurde somit nicht nur bei den Inklusionskindern differenziert, sondern auch bei den Grundschülern. Dieses Angebot an differenziertem Arbeitsmaterial kam bei allen Schülern gut an. Die Schüler lernen so, nebenbei auch ihr Können selbst einzuschätzen und haben beim Lernen mehr Erfolgserlebnisse, weil sie beispielsweise bei einem neuen Thema zunächst mit der leichteren Version des Arbeitsblatts anfangen können. Wenn es gut geklappt hat, können sie zur nächsten Schwierigkeitsstufe übergehen.
    Es zeigt das jedes Kind seine individuellen Stärken und Schwächen hat und individuell lernt, unabhängig bei ihm ein sonderpädagogischer Förderbedarf festgestellt wurde oder nicht. So profitieren alle von einem differenzierten Arbeitsmaterial.

    Inklusion ist natürlich weit mehr als differenziertes Material und nicht nur auf den Unterricht bezogen. Es ermöglicht Schülern soziale Erfahrungen zu machen aus denen sie lernen können und wovon alle Kinder profitieren.

    Natürlich erfordert es viel Vorbereitung und gerade Nicht-Sonderpädagogen müssen sich hier sicherlich gut einarbeiten. Besonders in einem doch relativ komplexen Fach wie der Biologie ist es nicht so leicht den Inhalt so zu reduzieren, dass er für alle Kinder verständlich wird. Jedoch denke ich, dass es mit etwas Übung und Einarbeitung gelingen kann und sich das Fach für inklusiven Unterricht anbietet, da die Mehrheit der Schülerinnen und Schüler an der Biologie interessiert sind und man auf diesem Interesse und der Motivation gut aufbauen kann.
    Eure Ideen und Anregungen, auf was man bei einem inklusiven Biologie-Unterricht achten sollte und wie man diesen gestalten kann finde ich sehr hilfreich, gut ausgewählt und denke, dass sich diese auch gut auf andere Fächer übertragen lassen können.

    Liebe Grüße
    Lara

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  28. Teil 1:

    Liebe Anja, liebe Kathrin, liebe Sissy,
    vielen Dank für euren lehreichen und umfassenden Blogbeitrag zum Thema Inklusion. Ihr habt uns ein wichtiges und immer präsenter werdendes Thema nahegebracht. Die Heterogenität im Klassenzimmer nimmt stetig zu, jedoch vermisse ich, wie ihr es auch geschildert habt, Lerneinheiten in im Studium hierzu. Sicherlich kann ich viele Lehrer / innen verstehen, dass diese sich in manchen Situationen überfordert und vielleicht auch unfähig fühlen, wodurch der Anschein so mancher Ablehnung resultiert. Es ist also wichtig, sich bereits im Studium mit diesem Thema zu beschäftigen, um nicht nur die Ängste der Lehrkräfte zu reduzieren, sondern auch allen SuS den bestmöglichen Wissenserwerb sowie Lernerfolg sicherzustellen.
    Biologie ist ein Fach, dass sich für Schulklassen mit SuS mit sonderpädagogischen Förderbedarf, meines Erachtens nach, sehr gut eignet. Die biologischen Inhalte haben die Besonderheit, dass sie unseren Körper bzw. unsere unmittelbare Natur erklären. Dies kann man als Lehrkraft besonders nutzen um die Motivation der SuS zu steigern. Wie ihr in eurem Blogbeitrag mehrfach erwähnt habt, ist die Vorbereitung und Ausarbeitung von Seiten der Lehrenden sehr wichtig für SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Dies ist, so denke ich, ein essentieller Schritt für einen erfolgreichen Unterricht. Auch Kounin bestätigt dies mit seinen Regeln zur effektiven Klassenführung (Allgegenwärtigkeit, Überlappung, Reibungslosigkeit, Gruppenaktivierung, Übergangsmanagement). Hierzu ist eine gute Diagnostik die Basis für die Vorbereitung der Lehrkraft. Wichtig ist zu beachten, wo die SuS Schwächen aber auch Stärken aufweisen. Anhand dieser können schließlich Aufgabenstellungen individuell und auf die Klasse zugeschnitten konstruiert werden. Als Themen eignen sich im großen und ganzen alle, jedoch variiert natürlich aufgrund der Schwierigkeit auch die Vorbereitungsintensität und Kreativitätsfähigkeit der Lehrkraft. Ins Besondere eignen sich meiner Meinung nach Themen bezüglich des Menschen wie z.B. die Entwicklung eines Menschen (BNT 5/6), Ernährung und Verdauung (Bio 7/8), Atmung (Bio 7/8), Fortpflanzung (Bio 7/8). Dies sind Themen zu denen die SuS direkten Kontakt besitzen, da sie selbst davon betroffen sind. Darüber hat die Lehrkraft gute Bildmöglichkeiten, die man integrieren kann. Darüber hinaus sind auch die biologischen Inhalte Wirbeltiere (BNT 5/6) mit der Besprechung von Hund, Katze, Kuh, Schwein, … oder Wirbellose (BNT 5/6) sehr geeignet aus besagten Gründen. Ich denke, der direkte Bezug, den auch die Lehrkraft verstärkt aufzeigen sollte, hilft vor allem SuS mit sonderpädagogischen Förderbedarf.

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  29. Teil 2:

    Ihr habt uns ein breites Spektrum an Differenzierungmöglichkeiten genannt, die sich für einen inklusiven Unterricht eignen. Neben meinem Studium arbeite ich in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Aufbauend auf diesen Erfahrungen finde ich, ist es sehr wichtig einen Unterricht strukturiert und mit viel Anschauungsmaterialien durchzuführen. Insbesondere das Arbeiten über die verschiedenen Kanäle (mehrkanäliges Lernen) hilft den Lernerfolg zu steigern, auch bei SuS ohne einen sonderpädagogischen Förderbedarf. Aufgaben mit verschiedenen Schwierigkeitsstufen sind an sich eine sehr gute Strategie alle SuS zu integrieren, jedoch fühlen sich SuS, die nur immer die einfachsten Aufgaben lösen können ggf. minderwertig oder sind demotiviert nach einer gewissen Zeit. Hiergegen lassen sich besonders gut, die von euch aufgezeigten, Lernhilfen mit verschiedenen Niveaus einsetzen. Ohne bereits im Vorfeld „abzustempeln“, können SuS individuell arbeiten. Die Verwendung von geeigneter Sprache, wie wir es zusätzlich in der Vorlesung zum Thema „Begriffe“ gelernt haben, eignet sich besonders für SuS mit eingeschränkten Lesekompetenzen. Sicherlich ist dies in den Unterstufen und ggf. auch in den Mittelstufen gut umsetzbar, ich jedoch hadere ein wenig in Anbetracht auf die gymnasiale Oberstufe. Ich studiere Sekundarstufe 2 und sehe hierbei die Problematik die Leichte Sprache auch in der abiturvorbereiteten Oberstufe anzuwenden. Beim Abitur müssen auch SuS mit sonderpädagogischem Förderbedarf den Vorgaben des Landes und den Richtlinien für ein (allgemeinbildendes) Abitur erfüllen. Bei konstanter Verwendung der Leichten Sprache sehe ich bei diesem Ziel jedoch Probleme. Sicherlich kann man die Leichte Sprache nach und nach reduzieren, aber kann ich dann auch noch alle SuS mit oder ohne Förderbedarf optimal fördern? Wie kann ich hierzu in der (gymnasialen) Oberstufe eine Brücke schlagen? Gibt es bereits Erfahrungswerte diesbezüglich? Können wir als zukünftige Lehrkräfte dies bewerkstelligen?
    Das Landesrecht des Ministeriums für Kultus, Jugend und Sport gibt Schulen die Möglichkeit in besonderen Fällen eines sog. Nachteilsausglichs. Hierbei wird das Anforderungsprofil unberührt gelassen und lediglich Hilfen gegeben, mit denen die SuS in die Lage versetzt werden, die Voraussetzungen zu erfüllen. Der Nachteilsausgleich basiert auf dem Grundgesetzt entsprechend Art. 3 Abs. 1: „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ (siehe: http://www.landesrecht-bw.de/jportal/?quelle=jlink&query=VVBW-2205-1-KM-19990308-SF&psml=bsbawueprod.psml&max=true#ivz5 ). Reichen jedoch die Hilfen aus, um die Defizite zu überbrücken und trotzdem den SuS mit besonderem Förderbedarf die besten Chancen auf einen guten Schulabschluss zu ermöglichen? Welche Ermessungsspielräume gibt es hierzu?
    Nochmals vielen Dank für euren ausführlichen und super illustrierten Blogbeitrag!

    Liebe Grüße

    Franziska

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  30. Liebe Blogger,
    zunächst einmal möchte ich sagen, dass ich die Idee mit der Zeitschrift sehr kreativ und auch zum Thema passend gewählt finde. Auch Didakta als Stimme in der Zeitschrift finde ich gelungen.

    Der wesentliche Aspekt bei der Arbeit in einem inklusiven Setting liegt auf der Binnendifferenzierung der Unterrichtsinhalte, sodass sie für jeden SuS zugänglich gemacht werden. Man muss also viel mehr Ressourcen darauf verwenden die Inhalte auf verschiedene Wege aufzuarbeiten und anzubieten. Diese Art der Differenzierung findet in „normalen“ Klassen nur selten statt, doch auch diese profitieren stark davon, da auch hier nicht alle SuS auf genau dem gleichen Niveau sind oder mit den gleichen Zugangswegen zu einem Thema klarkommen. Dadurch kann es meiner Meinung nach auch bei den anderen Schülern zu einem positiven Effekt kommen.

    Für den Biologieunterricht in inklusiven Klassen eignen sich besonders Themen, bei denen auch selbst etwas erfahren kann, z.B. durch einen Versuch, eine Exkursion, ein Modell. In einer eigenen Stunde in einer Unterrichtsklasse haben wir das Thema Müll und Mülltrennung behandelt. Dieses Thema lies sich mit der Klasse gut durchführen. Hier gab es etwas zum Anfassen und das Thema war nicht abstrakt.
    Damit Material so gestaltet ist, dass die SuS gut selbständig daran arbeiten können, ist es wichtig die Arbeitsblätter oder Versuchsanleitungen auf das wesentliche herunterzubrechen und nicht mit Texten oder Bildern zu überladen. Die Aufgaben müssen immer verständlich formuliert werden und die Komplexität muss gegeben falls heruntergebrochen werden. Wie stark ist jedoch immer vom Individuum und seinen Fähigkeiten abhängig. Hierbei ist es wichtig für die Klasse aber auch für manche SuS individuelle Ziele aufzuschreiben, die aufzeigen, was der SuS in der Stunde erreichen soll bzw. welche Erkenntnisgewinnung er durch seine individuellen Aufgaben erreichen soll. Wichtig ist auch die Art des Unterrichts die man auswählt. 90 Minuten Frontalunterricht sind hierfür eher wenig geeignet. Unterrichtsformen, bei denen die SuS in Gruppen oder Eigenständig forschen und selbst Erfahrungen sammeln können jedoch mehr. Auch kommunikative Formen, bei denen Ergebnisse einander in Kleingruppen erarbeitet und vorgestellt werden eignen sich gut, da man hier Aufgaben verteilen kann, die je nach Leistungsstand erarbeitet und dann zusammengeführt werden.

    Ich finde es wichtig, dass Lehrkräfte für die Inklusion sensibilisiert und beschult werden, da diese in den nächsten Jahren immer mehr kommen wird und eine große Herausforderung darstellt. Nur so ist es möglich guten inklusiven Unterricht zu gestalten, indem jeder SuS an seinen Zielen arbeiten kann und bestmöglich gefördert wird.

    Liebe Grüße
    Mara

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