Warum halten sich bestimmte Vorstellungen über Evolution so hartnäckig, selbst nach dem Biologieunterricht? Und warum klingt die Idee, dass sich eine Giraffe einen längeren Hals wachsen lässt, weil sie ihn braucht, zunächst so einleuchtend?
In meinem Blogbeitrag geht es um typische Alltagsvorstellungen zur Evolution und darum, wie Lehrkräfte diese erkennen, aufgreifen und für das Lernen nutzen können. Gemeinsam mit der Lehramtsstudentin Mia schauen wir genauer hin: Wie entstehen solche Vorstellungen und wie können Schülerinnen und Schüler Schritt für Schritt zu einem fachlich angemessenen Verständnis von Evolution gelangen?
Viel Spaß beim Lesen! Ich freue mich über eure Gedanken und Kommentare.
Hier geht es zum Blogbeitrag:
https://drive.google.com/file/d/14D8BqSP8o-4SlCcWVFtD-xLoHuX0r7EX/view?usp=drivesdk
Liebe Grüße
Leonie Münch
Hallo Leonie,
AntwortenLöschenich fand deinen Blogbeitrag sehr interessant, vor allem weil ich vorher nicht gedacht hätte, dass sich hinter scheinbar einfachen Aussagen über Evolution so viele unterschiedliche Alltagsvorstellungen verbergen können. Besonders spannend fand ich, dass solche Vorstellungen nicht einfach „falsches Wissen“ sind, sondern für die Schülerinnen und Schüler zunächst durchaus schlüssige Erklärungen darstellen können.
Mir hat besonders gut gefallen, dass du immer wieder konkrete Beispiele verwendest. Dadurch konnte ich die einzelnen Vorstellungen gut nachvollziehen. Vor allem die Vorstellung von Evolution als einer Art Fortschritt „vom Einfachen zum Höheren“ fand ich interessant. Ich glaube, dass gerade Bilder und Darstellungen, die Evolution als gerade Linie zeigen, diese Vorstellung schnell vermitteln können, ohne dass man sich dessen bewusst ist.
Auch den Abschnitt zum Menschen und seiner Verwandtschaft mit anderen Primaten fand ich gelungen. Die Aussage „Der Mensch stammt vom Affen ab“ hört man schließlich sehr häufig. Dein Beitrag zeigt gut, warum diese Formulierung problematisch ist und weshalb ein verzweigter Stammbaum die evolutionären Zusammenhänge viel besser verdeutlicht.
Schön fand ich außerdem, dass Mia immer wieder im Beitrag auftaucht. Für mich hat sie den Text etwas aufgelockert und gleichzeitig eine Verbindung zum späteren Lehrerberuf hergestellt. Dadurch wirkt der Beitrag weniger wie ein klassischer wissenschaftlicher Text und passt meiner Meinung nach gut zum Format eines Blogs.
Beim Lesen habe ich mich gefragt, ob Lehrkräfte durch ihre eigene Sprache oder durch bestimmte Abbildungen im Unterricht solche Alltagsvorstellungen möglicherweise sogar unbeabsichtigt verstärken können. Worauf sollte man deiner Meinung nach bei der Vermittlung von Evolution besonders achten, damit das nicht passiert?
Insgesamt fand ich deinen Beitrag sehr abwechslungsreich und verständlich geschrieben. Besonders die Verbindung zwischen den typischen Vorstellungen und konkreten Situationen aus dem Biologieunterricht hat mir gut gefallen.
Liebe Grüße
Hallo,
Löschenvielen Dank für deinen lieben und ausführlichen Kommentar! Deine Frage hat mich beim Erstellen des Beitrags tatsächlich auch beschäftigt, denn Lehrkräfte können Alltagsvorstellungen unbeabsichtigt selbst verstärken.
Ein gutes Beispiel ist der Begriff „Anpassung“. Im Alltag bedeutet er häufig, dass sich jemand aktiv an eine Situation anpasst. Überträgt man diese Bedeutung unreflektiert auf Evolution, kann schnell der Eindruck entstehen, ein einzelnes Tier würde sich während seines Lebens gezielt verändern. Genau solche Vorstellungen zeigen sich auch in Untersuchungen zu Schülervorstellungen. Biologieunterricht und Lebenswirklichkeit.pdf
Ähnlich problematisch können Abbildungen sein. Die bekannte lineare Darstellung vom vermeintlich „einfachen Affen“ bis zum modernen Menschen kann beispielsweise die Vorstellung einer zielgerichteten Höherentwicklung fördern. Deshalb würde ich im Unterricht besonders auf meine Sprache und die verwendeten Darstellungen achten. Begriffe wie „Anpassung“ sollten gemeinsam geklärt und lineare Darstellungen kritisch hinterfragt werden. Stattdessen können verzweigte Stammbäume und die Betrachtung von Populationen helfen, Evolution weniger zielgerichtet zu denken. Für mich zeigt das auch, wie wichtig es ist, nicht nur darauf zu achten, was wir unterrichten, sondern ebenso darauf, wie wir es vermitteln.
Liebe Grüße
Leonie
Hallo Leonie,
AntwortenLöschenmir hat dein Blogbeitrag zum Thema Alltagsvorstellungen zur Evolution sehr gut gefallen. Ich finde das Thema besonders spannend, weil einem häufig gar nicht bewusst ist, wie viele Vorstellungen zur Evolution zunächst logisch klingen, obwohl sie nicht mit der wissenschaftlichen Erklärung übereinstimmen.
Besonders gut hat mir der Einstieg mit Mia gefallen. Dadurch wird man direkt in das Thema hineingeholt und die theoretischen Inhalte wirken nicht so trocken. Auch die kleine Mitmachaufgabe fand ich eine gute Idee, da man dabei selbst überlegen muss, wie man Evolution spontan erklären würde. Dabei merkt man schnell, dass man vielleicht selbst auf die ein oder andere Alltagsvorstellung zurückgreift.
Die verschiedenen Alltagsvorstellungen hast du meiner Meinung nach sehr verständlich erklärt. Besonders das Beispiel mit den Giraffen fand ich passend, weil hier der Unterschied zwischen einer zielgerichteten Anpassung und der tatsächlichen evolutionären Veränderung einer Population gut deutlich wird. Auch die Vorstellung, dass der Mensch „vom Affen abstammt“, begegnet einem im Alltag ja immer wieder.
Gut fand ich außerdem, dass du nicht nur die verschiedenen Vorstellungen beschreibst, sondern auch darauf eingehst, was sie für den Biologieunterricht bedeuten und wie Lehrkräfte mit ihnen umgehen können. Dadurch bekommt dein Beitrag einen guten Bezug zur späteren Unterrichtspraxis.
Beim Lesen habe ich mich allerdings gefragt, wie man als Lehrkraft am besten reagiert, wenn eine solche Alltagsvorstellung trotz mehrfacher Behandlung im Unterricht bestehen bleibt. Würdest du versuchen, die Vorstellung direkt zu korrigieren, oder die Schülerinnen und Schüler zunächst selbst auf die Widersprüche in ihrer Erklärung aufmerksam machen?
Insgesamt hat mir dein Beitrag sehr gut gefallen. Durch Mia, die Beispiele und die Abbildungen lässt sich das Thema trotz der vielen fachlichen Inhalte angenehm lesen.
Liebe Grüße
Hallo,
Löschenvielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar! Es freut mich besonders, dass dir die Verbindung zwischen Mia, den verschiedenen Alltagsvorstellungen und der späteren Unterrichtspraxis gefallen hat.
Deine Frage finde ich sehr wichtig, denn gerade die Beständigkeit solcher Vorstellungen ist eine Herausforderung im Biologieunterricht. Wie auch im Beitrag deutlich wird, reicht es häufig nicht aus, eine Alltagsvorstellung einfach als „falsch“ zu kennzeichnen und anschließend die wissenschaftlich richtige Erklärung vorzugeben. Schülervorstellungen können sehr stabil sein und bilden gewissermaßen das Gerüst, an das neues Wissen angeknüpft wird. Biologieunterricht und Lebenswirklichkeit.pdf
Ich würde deshalb eher den zweiten von dir genannten Weg wählen. Die Schülerinnen und Schüler sollten zunächst die Möglichkeit bekommen, ihre eigene Erklärung offenzulegen und zu hinterfragen. Durch passende Gegenbeispiele, Vergleiche oder Aufgaben können Widersprüche sichtbar gemacht werden. Gerade bei Evolution finde ich es wichtig, anschließend gemeinsam eine wissenschaftliche Erklärung zu entwickeln und diese bewusst der ursprünglichen Vorstellung gegenüberzustellen. Ziel wäre für mich also nicht, die Alltagsvorstellung einfach zu „löschen“, sondern den Lernenden zu zeigen, warum das wissenschaftliche Konzept bestimmte Phänomene besser erklären kann.
Liebe Grüße
Leonie