Dienstag, 6. Juli 2021

BNE mit der Mystery-Methode in den Biologieunterricht integrieren

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ich stelle euch in meinem Beitrag die Mystery-Methode vor und zeige euch, wie ihr mit ihrer Hilfe das Thema BNE in euren Biologieunterricht integrieren könnt. 
Ihr wollt wissen, was die Mystery-Methode ist? Dann scrollt weiter und seid gespannt!

         Abbildung 1: Titelbild                                                         

Was erwartet euch in meinem Beitrag?

Zu Beginn gehe ich kurz darauf ein was man unter "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) versteht und wo diese in den verschiedenen Bildungsplänen zu finden ist. Im Anschluss daran erkläre ich was die Mystery-Methode ist und wie ihr sie in euren Unterricht einbauen könnt. Dazu gebe ich euch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung von den Vorbereitungen, die ihr treffen müsst bis zur Ergebnissicherung. Außerdem zeige ich auch ein konkretes Beispiel mit Materialien, um es euch zu verdeutlichen. Zum Schluss wäge ich die Vor- und Nachteile der Mystery-Methode ab und werfe einen Blick darauf, ob sie dafür geeignet ist BNE zu betreiben.

Abbildung 2: Ziele
                                                                                                                                                                                                  

Was ist BNE?

Abbildung 3: BNE
BNE steht für "Bildung für nachhaltige Entwicklung". Ihr Ziel ist es Schüler*innen zu fördern, so dass diese Wissen und Kompetenzen besitzen, um ihr eigenes Leben zukunftsfähig zu gestalten. Anders ausgedrückt: Sie sollen dazu in der Lage sein zukunftsfähig zu Denken und zu Handeln, damit sie die Herausforderungen unserer Gesellschaft meistern und die Zukunft nachhaltig mitgestalten können. "Nachhaltig" meint hier so viel wie "ressourcenschonend". BNE umfasst dabei nicht nur ökologische Aspekte, sondern auch ökonomische und soziale. Diese drei Bereiche sollen von den Schüler*innen miteinander vernetzt werden können, „vernetzendes Denken“ wird dazu häufig gesagt. Je früher die Schüler*innen in dieser Hinsicht gefördert werden, desto selbstverständlicher und selbstreflektierter wird ihr Umgang damit sein. (vgl. nachhaltigkeitsstrategie.de,
Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, o. D.)                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                   

Wo ist BNE im Bildungsplan zu finden?

Bildung für nachhaltige Entwicklung ist in den Bildungplänen von 2016 nicht einem einzelnen Fach zugeordnet, sondern gilt als Leitperspektive für den gesamten Bildungsplan. In Abbildung 4 ist ein Ausschnitt der Leitperspektiven zum Bildungsplan (2016) für die Sekundarstufe 1 zu sehen. Dort wird deutlich, dass es bei BNE nicht nur um Wissenserwerb geht, sondern auch um Engagement und Verantwortung, Umgang mit Risiken und Unsicherheiten, Einfühlungsvermögen in Menschen in anderen Lebenslagen und Urteilsbildung. Außerdem ist zu erkennen, dass die Schüler*innen dann im Sinne der nachhaltigen Entwicklung gefördert werden, wenn sie Teilhabe und Mitspracherecht bekommen sowie Demokratie (innerhalb der Schule) erleben. Auch das Kennenlernen von Werten und Normen oder die Bedeutung und mögliche Gefährdungen einer nachhaltigen Entwicklung, spielen hierbei eine Rolle. (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Leitperspektiven und Leitfaden Demokratiebildung, 2016) Wie diese und noch weitere Dinge mit der Mystery-Methode erreicht und umgesetzt werden können, erfahrt ihr weiter unten.

Abbildung 4: BNE im Bildungsplan Sek 1

Auch in den Bildungsplänen (2010) für die Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren (SBBZ) ist der Gedanke der BNE zu finden. Zum Beispiel wird im Bildunsplan für das SBBZ emotionale und soziale Entwicklung von Folgendem gesprochen: 

"In einem von Wertschätzung und gegenseitiger Achtung geprägten Miteinander erfahren die Schülerinnen und Schüler Werthaltungen, die Fragen nach Sinngebung und Lebenseinstellungen zulassen und beantworten helfen. Sie werden angeleitet, ihr gegenwärtiges und zukünftiges Handeln auch im Hinblick auf den verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen der Natur zu prüfen." (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Bildungsplan 2010, Schule für Erziehungshilfe, S. 60)

Abbildung 5: BNE im Bildungsplan

                                                                                                                                                                                                                          

Was ist die Mystery-Methode?

Abbildung 6: Mystery-Methode
                                                                                                                                                                          
Die Mystery-Methode hat ihren Ursprung im Fach Geographie und wurde 1998 erstmals durch David Leat und seinem Werk "Thinking Through Geography" bekannt (vgl. biologiedidaktikmalanders.de, o. D.). In den letzten Jahren findet die Methode aber auch in anderen Fächern immer mehr Verwendung, vor allem in der Biologie. "Mystery" kann man mit sowhl mit "Rätsel" oder "Geheimnis" als auch mit "Krimi" übersetzen, wobei alle Begriffe gut widerspiegeln worum es bei Mysterys geht, nämlich darum knifflige Fragen zu lösen und Verbindungen aufzuspüren (vgl. education21.ch). Julia Mülhausen und Norbert Pütz veröffentlichten dazu bereits zwei Werke (Mysterys- 9 rätselhafte Fälle für den Biologieunterricht (2013) und Neue Mysterys im Biologieunterricht-  9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie (2020)), in denen sie nicht nur erklärem, was die Mystery-Methode ist, sondern auch jeweils 9 Mysterys mit Materialien vorstellen.  
 
Abbildung 7: BNE mit Mysterys umsetzen

Wie wird ein Mystery durchgeführt?

Ihr wollt wissen, wie auch ihr ein Mystery planen und in eurem Unterricht durchführen könnt? Dann seid ihr in diesem Kapitel genau richtig. Hier gebe ich euch, in Anlehnung an Mülhausen und Pütz (2020), eine Schritt-für-Schritt-Anleitung und außerdem noch weitere Tipps.
 
 1. Vorbereitung
  • Die Lehrkraft sollte im besten Fall selbst schon einmal ein Mystery durchgeführt haben
  • 16-32 Infokarten inkl. Erweiterungskarten (manchmal auch Zusatzkarten genannt) werden erstellt bzw. kopiert. Karten ausschneiden und mischen
  • Infokarten und Erweiterungskarten getrennt voneinander in Umschläge legen
  • Die Leitfrage bzw. -aussage auf die Umschläge schreiben
  • Arbeitsblatt erstellen bzw. kopieren
Tipp: Die Info- und Erweiterungskarten können laminiert werden. Wer Plastik vermeiden möchte, tut dies nicht. Hier kommt es aber auf die "Zerstörungslust" eurer Klasse an. Unter Erweiterungskarten versteht man hier Karten, die Informationen beinhalten, die auf den ersten Blick eher unscheinbar wirken und nicht zwingend zur Beantwortung der Leitfrage bzw. -aussage benötigt werden.
 
2. Einführung
  • Die Leitfrage bzw. -aussage wird präsentiert 
  • Die Klasse stellt Vermutungen im Plenum an
  • Kleingruppen werden gebildet
  • Jede Gruppe erhält den Umschlag mit den Infokarten, Filzstifte/Edding, ein Flipchart-Blatt in Din A2 und Klebestifte
Tipp: Ihr müsst die Leitfrage bzw. -aussage nicht einfach nur vorlesen, stattdessen könnt ihr sie an die Tafel schreiben, ein Bild vorlegen oder eine Geschichte dazu erzählen. Was den Klebestift angeht, verwendet ihr bei laminierten Karten besser Klebepads.

3. Erarbeitung (20-40 Minuten)
  • Nacheinander wird je eine Infokarte aus dem Umschlag gezogen und den anderen Gruppenteilnehmer*innen vorgelesen
  • Die Infokarten werden gemeinsam strukturiert und geordnet
  • Sind alle Gruppenmitglieder mit der Anordnung der Karten zufrieden, werden diese auf das große Blatt geklebt
  • Den entstandenen Gruppierungen werden Überschriften gegeben 
  • Pfeile und Beschriftungen werden hinzugefügt, um Zusammenhänge zwischen den einzelnen Karten zu verdeutlichen
Tipp: Wie ihr seht, variiert die Zeit für die Erarbeitung stark. Das hängt ganz von eurer Klasse und der euch zur Verfügung stehenden Zeit ab. Die zusätzlichen Erweiterungskarten in dem zweiten Umschlag könnt ihr zur Binnendifferenzierung innerhalb der Klasse verwenden und sie zum Beispiel den stärkeren Schüler*innen zur Verfügung stellen, um sich vertiefend mit Teilaspekten auseinander setzen zu können. Je nach Leistungsniveau der Klasse, entwerfen manche Lehrkräfte für die schwächeren Schüler*innen bzw. für diejenigen, die nicht weiter kommen, sogenannte Hilfekarten mit Tipps und Anregungen.

4. Ergebnis
  • Abbildung 8: Legekonstrukt
    Jede Gruppe stellt ihr Plakat mit ihrem individuellem Lösungsweg (Legekonstrukt, ABB. 8) der Klasse vor und es wird Raum für Diskussionen gegeben
  • Die Lösung der Leitfrage bzw. -aussage wird schrifltich festgehalten (Arbeitsblatt oder Heftaufschrieb)
  • Je nach Wunsch, können die entstandenen Plakate im Klassenzimmer aufgehängt werden
  • Der weitere Verlauf nach dem Mystery ist abhängig von dem gewählten Zeitpunkt der Durchführung. Wurde das Mystery zu Beginn einer Einheit gemacht, kann danach eine tiefere Bearbeitung dieser folgen. Wohingegen bei einer Durchführung am Ende einer Einheit ein neues Thema folgen kann.

Tipp: Bei den Ergebnissen der Schüler*innen geht es nicht um richtig oder falsch! Es geht lediglich darum die Infokarten so zu ordnen und Zusammenhänge zu finden, dass es Sinn ergibt und die Leitfrage bzw. -aussage damit beantwortet werden kann. Die verschiedenen Lösungswege können auch in einem sogenannten "Museumsgang" vorgestellt werden.

Damit ihr jetzt das Ganze noch besser nachvollziehen könnt, zeige ich euch ein Mystery zur Nachhaltigkeit, genauer gesagt zum Wildbienensterben. Ich kann euch hier nur Ausschnitte aus dem Material zeigen. Ihr findet dieses und noch weitere Mysterys zu Nachhaltigkeit und Ökologie in Mülhausen und Pütz (2020) "Neue Mysterys im Biologieunterricht- 9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie", welches in der PH-Bibliothek zur Verfügung steht.

Mystery-Beispiel zum Wildbienensterben

Abbildung 9: Wildbiene
Schlagt ihr das Buch von Mülhausen und Pütz (2020) beim Mystery zum Wildbienensterben auf, dann findet ihr erstmal viele Hintergrundinformationen zum Thema Wildbienen. Dann findet ihr die Leitaussage "Aylins Vater hat weniger Arbeit und im Garten ist es still" sowie  die Geschichte zum Mystery, welche in diesem Fall wie folgt lautet:
"Die menschlichen Protagonisten sind Aylin und ihr Vater. Aylins Familie lebt auf dem Land, ringsum befinden sich Felder, auf denen Mais, Weizen und Raps angebaut wird. Aylin lebt gern auf dem Land und seit sie klein ist, hilft sie ihren Eltern bei der Gartenarbeit. In Aylins Garten summt es aber längst nicht mehr so stark wie früher. Auch Spatzen und Kohlmeisen sind kaum noch zu hören. Aylins Vater fällt auf, dass es seit einiger Zeit nicht mehr so viel Arbeit ist, die Windschutzscheibe seines Autos sauber zu machen [...] Aylin findet schließlich tote Hummeln und ist besorgt. Sie wusste nicht, dass es so schlecht um die Wildbienen steht. Sie möchte ihnen gern helfen, weiß aber nicht, wie sie das umsetzen soll" (Mülhausen und Pütz, 2020, S. 19)
Wie ihr sicher richtig erkannt habt, geht es in diesem Mystery zum einen darum, dass viele Gärten mittlerweile sogenannte Steinwüsten geworden sind, ohne insektenfreundliche Pflanzen, und zum anderen geht es natürlich um die intensive landwirtschaftliche Nutzung der umliegenden Flächen. Hierbei kommen oft Pestizide zum Einsatz, welche für die Insekten schädlich sind. Im Endeffekt geht es also darum, dass es immer weniger Insekten, in diesem Fall konkret Wildbienen, gibt.

Abbildung 10: Bezug zum Titelbild
 
In Abbildung 11 seht ihr 8 der 24 Infokarten (+ 8 Erweiterungskarten), mit welchen die Schüler*innen das Mystery lösen:
Abbildung 11: Mystery-Infokarten
                                                                                                             
Wenn das Mystery bearbeitet und die Leitaussage geklärt wurde, kann nun Aylins Frage aus der Geschichte ("Wie kann ich den Wildbienen helfen?") besprochen werden. Dazu hilft das Arbeitsblatt, welches jede*r Schüler*in ausgeteilt bekommen hat und ihr in Abbildung 12 sehen könnt:
 
Abbildung 12: Mystery-Arbeitsblatt
                                                                                                                                                                    
Die drei Antwortmöglichkeiten, die hier gefragt sind, sind: 1) den eigenen Garten mit Insektenhotels und Blütenpflanzen ausstatten, 2) Gespräche in der Nachbarschaft anregen, ob es Alternativen zum Gifteinsatz gibt und ob blühende Pflanzen nicht schöner als Steine sind und 3) die intensive landwirtschaftliche Nutzung. (vgl. Mülhausen und Pütz, 2020)
 
Nun folgen im Buch von Mülhausen und Pütz Vorschläge, wie im Unterricht mit dem Thema weitergearbeitet werden kann bzw. was darüber hinaus getan werden kann. Die Rede ist hier zum Beispiel von einer Nachhaltigkeits-AG, die das Schulgelände mit Hilfe von Insektenhotels und dem Anpflanzen von Blütenpflanzen nachhaltig gestalten. Des Weiteren könnte das Thema der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung fächerübergreifend behandelt werden und so könnte man beispielsweise auch im Fach Politik über nachhaltige Landwirtschaft sprechen.
 

Die Vor- und Nachteile der Mystery-Methode

Nachdem ihr nun die Methode kennt, möchte ich einen Blick auf die Vor- und Nachteile von dieser werfen. Dazu habe ich aus den Informationen aus dem Werk von Mülhausen und Pütz (2020) eine Tabelle als Übersicht erstellt (Abbildung 13).
Abbildung 13: Vor- und Nachteile
 
Wie deutlich zu sehen ist, überwiegen die Vorteile gegenüber den Nachteilen. Wem der Zeitaufwand im Voraus Wert ist, profitiert sicherlich gemeinsam mit seiner Klasse davon. 
 

Warum Mysterys im Biologieunterricht einsetzen?

Bildung, egal ob im Deutsch- oder im Biologieunterricht, soll die Schüler*innen dazu befähigen sich Wissen anzueignen, welches sie zu einem selbstständigen und verantwortungsbewussten Handeln führt und das auch über die Schule hinaus. So soll der Biologieunterricht beispielsweise die Schüler*innen dazu befähigen, individuelle oder gesellschaftliche Probleme mit Hilfe eines naturwissenschaftlich-biologischem Denken und Handeln anzugehen (vgl. Mülhausen und Pütz, 2020). Mysterys fördern, wie unter anderem in der vorletzten Zeile der Tabelle (Abb. 13) zu sehen ist, das vernetzende Denken sowie die Problemlösekompetenzen der Schüler*innen. Also eben diese Fähigkeiten, die zentral sind für BNE bzw. die nötig sind, um Entscheidungen in einem nachhaltigen Sinne treffen zu können.
Nachhaltigkeitsthemen sind meist sehr komplex und sind aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten (z.B. Ökologie, Ökonomie und Soziales). Selbst, wenn das Thema erst nicht sehr interessant für die Schüler*innen scheint oder sie keine Verbindung zu ihrer Lebenswelt sehen, kann das Rätsel zu Beginn sehr motivierend auf sie wirken. Das Legekonstrukt, was im Laufe der Bearbeitung entsteht, bringt dann die verschiedenen Perspektiven auf das Problem zum Vorschein. Diese können in einem anschließenden Gespräch genauer betrachtet werden. Durch Fragen, wie "Was ich kann ich dagegen tun?" oder "Wie können wir als Klasse helfen?", wird schließlich ein Bezug zur Lebenswelt der Schüler*innen hergestellt und zudem regen solche Fragen die Schüler*innen zur Reflexion an. Dadurch, dass die Gruppen ihren individuellen Lösungsweg selbst wählen und begründen müssen, werden die Einzelaspekte und deren Beziehungen untereinander greifbarer und verständlicher für die Lernenden (vgl. Mülhausen und Pütz, 2020).
 
Um abschließend noch einmal auf den Bildungsplan zurück zu kommen, gehe ich im Folgenden konkret auf einige Punkte ein. Hierzu werde ich den Fokus auf den Bildungsplan der Sekundarstufe 1 legen und das SBBZ nicht genauer beleuchten.
Das Kultusministerium schreibt in dem besagten Bildungsplan von 2016 (Abb. 4), dass die Schüler*innen dazu in der Lage sein sollen, informierte Entscheidungen zu treffen, welche zu kreativen und intelligenten Lösungswegen führen (vgl. Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Leitperspektiven und Leitfaden Demokratiebildung, 2016) . Diese kreativen sowie intelligenten Lösungsstrategien werden mit den Mysterys ideal gefördert, denn bei den Mysterys geht es nicht um Richtig oder Falsch, sondern darum einen individuellen Lösungsweg zu finden, der sinnig begründet werden kann. 
Neben "Wissen über (nicht-) nachhaltige Entwicklungen" (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Leitperspektiven und Leitfaden Demokratiebildung, 2016), welches die Schüler*innen unter anderem durch die Infokarten erhalten, werden sie durch ergänzende Fragen und Disukussionen dazu angeregt sich an aktuelle gesellschaftliche Probleme heranzuwagen, sich darüber zu informieren, sich zu beteiligen, sich in die verschiedenen Perspektiven hineinzuversetzen und sich schließlich ihr eigenes Urteil zu bilden. Genau diese Aspekte findet man im Bildungsplan zum Thema BNE ebenso (siehe Abb. 4). 
Des Weiteren heißt es dort die Lernenden sollen vorausschauend mit der Zukunft umgehen und an "innovativen Lebens- und Gesellschaftsentwürfen" (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Leitperspektiven und Leitfaden Demokratiebildung, 2016) mitwirken. Diese Punkte zeigen deutlich auf, dass es nicht genügt die Klasse lediglich das Mystery durchführen zu lassen, denn nur ergänzende Gespräche können den gewünschten Effekt erzielen und die Schüler*innen in der Hinsicht fördern, dass sie vertieft nachdenken und ihr zukünftiges Handeln in einem nachhaltigen Sinne ändern. Nur so erinnern sie sich besser an das behandelte Thema, können darauf aufbauen und auch noch nach ihrer Schulzeit davon profitieren, vor allem bezüglich demokratischen, verantwortungsvollen Entscheidungen und Teilhabeaspekten im Erwachsenenalter.
 
Abbildung 14: Inhalts- und prozessbezogene Kompetenzen
Zusätzlich zu all dem, werden durch Mysterys diverse Kompetenzbereiche gefördert, die im Bildugsplan gefordert werden (Abb. 14). Die Rede ist vor allem von den prozessbezogenen Kompetenzen "Bewertung" und "Kommunikation", aber auch die inhaltsbezogenen
Kompetenzen zum Basiskonzept "System" kommen hier in Frage (vgl.
Ministerium für Kultur, Jugend und Sport, Gemeinsamer Bildungsplan für die Sekundarstufe 1, 2016, Biologie). Das Bewerten wird in Hinsicht des Unterscheidens zwischen wichtigen und unwichtigen Informationen geübt. Außerdem lernen die Schüler*innen auch ihr eigenes Verhalten bezüglich der Nachhaltigkeit zu bewerten. Das Vergleichen der unterschiedlichen Schülerlösungen, die entstanden sind, hilft ebenso das Bewerten zu lernen. 
Der Bereich der Kommunikation wird vor allem durch die Gruppenarbeit trainiert, denn es benötigt intensive Absprachen innerhalb der Gruppe. Nur so kann die Gruppe zu einem Ergebnis gelangen, mit dem alle Gruppenmitglieder zufrieden sind. Zu beachten ist hier auch, dass es in fast jeder Klasse Schüler*innen gibt, die sich nicht trauen vor der gesamten Klasse zu sprechen. Diesen wird durch das Arbeiten in Kleingruppen geholfen und jedem wird die Möglichkeit gegeben sich gleich intensiv zu beteiligen. Zusätzlich kann ein Austausch zwischen stärkeren und schwächeren Klassenmitgliedern stattfinden, sofern man bei der Gruppenbildung darauf geachtet hat. Somit wird ein gegenseitiges Lernen, auch hinsichtlich der Sprachgewandtheit, ermöglicht. Die anschließenden Gespräche und Diskussionen im Plenum fördern offensichtlich genauso die Kommunikationsfähigkeiten. 
Die inhaltsbezogenen Kompetenzen zum Basiskonzept "System" beziehen sich auf die Punkte "Ökosystem" und "Biosphäre".
Den eben gezeigten Ausführungen zufolge, ist es möglich der Tabelle (Abb. 13) aus dem vorherigen Kapitel noch einige weitere Vorteile hinzuzufügen.
 

Fazit 

Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) hat das Ziel Menschen, in diesem Fall Schülerinnen und Schüler, dazu zu befähigen fundierte Entscheidungen im Sinne einer nachhaltigen bzw. ressourcenschonenden Entwicklung zu treffen. Sie berücksichtigt sowohl ökologische als auch ökonomische und soziale Aspekte, welche miteinander vernetzt werden müssen. Im Bildungsplan ist BNE als übergeordnetes Konzept verortet und spielt somit für alle Schüler*innen eine zentrale Rolle in diversen Fächern bzw. Fächerverbünden. Auf dieser Basis sollen die Schüler*innen in ihrem Erwachsenenalter aufbauen können.
Die Mystery-Methode weckt durch ihren Rätselcharakter das Interesse der Lernenden und motiviert sie die zunächst widersprüchliche oder rätselhafte Aussage bzw. Frage zu lösen. Sie arbeiten in Gruppen, in welchen sie Informationen ordnen und Verbindungen zwischen ihnen schaffen, um so auf ihren individuellen Lösungsweg zu kommen, welchen sie anschließend vorstellen und begründen. Durch die Gruppenarbeit und ergänzende Diskussionen werden einige Kompetenzen der Schüler*innen gefördert. So sind hier nicht nur die prozessbezogenen Kompetenzen "Bewerten" und "Kommunikation" aus dem Bildungsplan der Sekundarstufe 1 zu nennen, sondern insbesondere auch zentrale Fähigkeiten, welche die Schüler*innen dazu befähigen Entscheidungen zu treffen, die in einem nachhaltigem Sinne sind. Beispielhaft lassen sich die Punkte "Beteiligung", "Urteilsbildung", "vorausschauendes Denken und Handeln" sowie "Perspektivwechsel" nennen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich die Mystery-Methode, nicht nur durch ihre motivierende Art, sondern vor allem durch die zahlreichen Kompetenzen, die durch sie gefördert werden und welche für ein naturwissenschaftliches Denken und Handeln von großer Bedeutung sind, sehr gut für den Einsatz im Biologieunterricht eignet. Eine sehr gute Eignung konnte auch im Hinblick auf BNE begründbar aufgezeigt werden.
 
Abbildung 15: Fragen an die Leserschaft

Ich hoffe ihr konntet etwas mitnehmen aus meinem Beitrag! Lasst mir doch gerne ein Kommentar da.

Anne Herrmann


Hier könnt ihr weitere Infos zu Mysterys sowie Mysterys zum Ausdrucken zu verschiedenen Fächern finden:

  • Mülhausen und Pütz (2013): Mysterys im Biologieunterricht- 9 rätselhafte Fälle für den Biologieunterricht
  • Mülhausen und Pütz (2020): Neue Mysterys für den Biologieunterricht- 9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie
  • Rüter (2020): Mysterys Biologieunterricht 5-10
  • Auf der Website vom Friedrich-Verlag: www.friedrich-verlag.de 
  • https://biologiedidaktikmalanders.wordpress.com/mystery/
  • https://www.youtube.com/watch?v=NW6nRvSNmrg
  • https://dammannka.wordpress.com/2015/10/28/methode-mystery/
  • https://lehrerblog.net/methode-mystery-im-unterricht/
  • https://www.ph-ludwigsburg.de/fakultaet-1/institut-fuer-sozialwissenschaften/geographie/forschung-und-projekte/denken-lernen/mystery-methode
  • Auf der Website von www.education21.ch
 

Literatur 

Applis, Stefan (2020): Die Mystery-Methode-Hintergrund, Einsatz, geeignete Themenfelder, https://doinggeoandethics.com/2020/04/29/die-mystery-methode-hintergrund-einsatz-geeignete-themenfelder/, letzter Zugriff: 05.07.2021

Biologiedidaktikmalanders.de (o. D.), https://biologiedidaktikmalanders.wordpress.com/mystery/, letzter Zugriff: 30.06.2021

Education21.ch (o. D.), https://www.education21.ch/sites/default/files/uploads/pdf-d/schule/unterrichtsmedien/Leitfaden%20Mystery_D.pdf, letzter Zugriff: 30.06.2021

Grave, Victoria/Mülhausen, Julia/Pütz, Julia (2020): Aylins Vater hat weniger Arbeit und im Garten ist es still.- Mystery zum Wildbienensterben, in: Julia Mülhausen/Norbert Pütz (Hrsg.), Neue Mysterys für den Biologieunterricht: 9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie, Hannover, Deutschland: Aulis Verlag in Friedrich Verlag GmbH, S.17-25

Nachhaltigkeitsstrategie, Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, https://www.nachhaltigkeitsstrategie.de/bildung/schulische-bildung, letzter zugriff: 30.06.2021

Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Schule für Erziehungshilfe, Bildungsplan 2010, S. 60, https://www.bildungsplaene-bw.de/site/bildungsplan/get/documents_E-2107191957/lsbw/Bildungsplaene/Bildungsplaene-SBBZ/SBBZ-ESE/BP_Erziehungshilfe_2010.pdf, letzter Zugriff: 30.06.2021

Ministerium für Kultur, Jugend und Sport, Gemeinsamer Bildungsplan für die Sekundarstufe 1, 2016, Biologie, https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/BIO/LG, letzter Zugriff: 30.06.2021

Ministerum für Kultur, Jugend Sport, Leitperspektiven und Leitfaden Demokratiebildung, 2016, https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/LP/BNE, letzter Zugriff: 30.06.2021

Mühlhausen, Julia (o. D.): Bei Müllers ist es ordentlich und Meiers haben Gäste, https://www.friedrich-verlag.de/biologie/zoologie/biologie-mystery-fuer-den-unterricht/, letzter Zugriff: 30.06.2021

Pütz, Norbert (2020): Die Mystery-Methode, in: Julia Mülhausen/Norbert Pütz (Hrsg.), Neue Mysterys für den Biologieunterricht: 9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie, Hannover, Deutschland: Aulis Verlag in Friedrich Verlag GmbH, S. 10-16

Abbildungen

Abbildung 1 (Titelbild): Eigene Darstellung basierend auf

Steingarten: https://www.google.com/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fwww.rbb-online.de%2Fgartenzeit%2Farchiv%2F20210321_1830%2Fgaerten-des-grauens.html&psig=AOvVaw1kq6xuxKgI0eq61Hv0vpta&ust=1625172325561000&source=images&cd=vfe&ved=0CAoQjRxqFwoTCMDOhO6cwPECFQAAAAAdAAAAABAD, letzter Zugriff: 30.06.21,

Wildbiene: https://www.google.com/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fwww.stuttgarter-nachrichten.de%2Finhalt.volksbegehren-artenvielfalt-in-stuttgart-wie-wildbiene-und-feldhamster-gerettet-werden-sollen.f5521e28-32d3-4d78-8caa-0fa6f58237a5.html&psig=AOvVaw0saRn_3FsgcW8hUUSHpQEE&ust=1625172484769000&source=images&cd=vfe&ved=0CAoQjRxqFwoTCPjij76dwPECFQAAAAAdAAAAABAD, letzter Zugriff: 30.06.21,

Crime Scene Band: https://www.google.com/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fwww.dreamstime.com%2Froyalty-free-stock-photography-crime-scene-tape-yellow-plastic-do-not-cross-isolated-white-background-image34640337&psig=AOvVaw2E2HeLIgRURvkeqVkJf0qL&ust=1625172667113000&source=images&cd=vfe&ved=0CAoQjRxqFwoTCIDA6OuewPECFQAAAAAdAAAAABAJ, letzter Zugriff: f 30.06.21,

Detektiv: https://www.google.com/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fde.clipartlogo.com%2Fistock%2Fdetective-1092280.html&psig=AOvVaw21rH2O876H5U44Wk6GPYvu&ust=1625172960055000&source=images&cd=vfe&ved=0CAoQjRxqFwoTCJjxtp-fwPECFQAAAAAdAAAAABAD, letzter Zugriff: 30.06.21

Abbildung 2 (Ziele): Eigene Darstellung

Abbildung 3 (BNE):  https://www.schulnetz21.ch/sites/default/files/docs/common/Impulstagung2017/171205_impulstagung_schulnetz21_workshop_9_fuer_tn.pdf, letzter Zugriff: 30.06.21

Abbildung 4 (BNE im Bildungsplan Sek 1): Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, Leitperspektiven und Leitfaden Demokratiebildung, 2016

Abbildung 5 (BNE im Bildungsplan): Eigene Darstellung

Abbildung 6 (Mystery-Methode): Eigene Darstellung

Abbildung 7 (BNE mit Mysterys umsetzen): Eigene Darstellung

Abbildung 8 (Legekonstrukt): https://www.google.com/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fschrottschatz.net%2Fmystery%2F&psig=AOvVaw0ndXxgKBpO9m31NGhpPvOd&ust=1625246475867000&source=images&cd=vfe&ved=0CAoQjRxqFwoTCKCB2JSxwvECFQAAAAAdAAAAABAD, letzter Zugriff: 01.07.21

Abbildung 9 (Wildbiene): https://www.google.com/url?sa=i&url=https%3A%2F%2Fwww.stuttgarter-nachrichten.de%2Finhalt.volksbegehren-artenvielfalt-in-stuttgart-wie-wildbiene-und-feldhamster-gerettet-werden-sollen.f5521e28-32d3-4d78-8caa-0fa6f58237a5.html&psig=AOvVaw0_2St8gLmQIHzF3-T3K_Gt&ust=1625245958202000&source=images&cd=vfe&ved=0CAoQjRxqFwoTCJjX6pSvwvECFQAAAAAdAAAAABAD, letzter ZUgriff: 30.06.21

Abbildung 10 (Bezug zum Titelbild): Eigene Darstellung

Abbildung 11 (Mystery-Infokarten): Grave, Victoria/Mülhausen, Julia/Pütz, Julia (2020): Aylins Vater hat weniger Arbeit und im Garten ist es still.- Mystery zum Wildbienensterben, in: Julia Mülhausen/Norbert Pütz (Hrsg.), Neue Mysterys für den Biologieunterricht: 9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie, Hannover, Deutschland: Aulis Verlag in Friedrich Verlag GmbH, S. 24

Abbildung 12 (Mystery-Arbeitsblatt): Grave, Victoria/Mülhausen, Julia/Pütz, Julia (2020): Aylins Vater hat weniger Arbeit und im Garten ist es still.- Mystery zum Wildbienensterben, in: Julia Mülhausen/Norbert Pütz (Hrsg.), Neue Mysterys für den Biologieunterricht: 9 rätselhafte Fälle zu Nachhaltigkeit und Ökologie, Hannover, Deutschland: Aulis Verlag in Friedrich Verlag GmbH, S. 21

Abbildung 13 (Vor- und Nachteile): Eigene Darstellung

Abbildung 14 (Inhalts- und prozessbezogene Kompetenzen): https://www.bildungsplaene-bw.de/,Lde/LS/BP2016BW/ALLG/SEK1/BIO/LG, letzter Zugriff: 01.07.21

Abbildung 15 (Fragen an die Leserschaft): Eigene Darstellung 




 

 



 

 

 

                                                                                                                                                              



















Dienstag, 15. Juni 2021

Kompetenzbegriff für Schlauis

Lässt sich der Kompetenzbegriff auf die Sonderpädagogik G übertragen? 

„Alltagskompetenz“, „Schlüsselkompetenz“, „Sachkompetenz“, „Kompetenzorientierter Unterricht“ – da blickt doch keiner mehr durch!

Anhand der vier fiktiven Schüler Anna, Tom, Max und Mara lernen Sie in diesem Buch die unterschiedlichen Kompetenzbegriffe kennen, wenden diese auf die Sekundarstufe I und den Biologieunterricht an und widmen sich der spannenden Frage, ob der Kompetenzbegriff auf die Sonderpädagogik des Förderschwerpunkts Geistige Entwicklung übertragen werden kann. Dabei ist es egal, ob Sie im ersten oder sechsten Semester stecken und ob Sie bereits Erfahrung in der Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung haben oder nicht. 
 


Nachdem Sie dieses Buch gelesen haben, werden Sie mit dem Kompetenzbegriff besser umgehen können!

Sie finden das Buch hier oder unter folgendem Link: https://drive.google.com/file/d/1CZXR00jvFMiKuFvDzOMZosHZldGCcb_t/view?usp=sharing

Wir freuen uns über Fragen, Rückmeldungen und Kritik und wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen,

die Autorinnen Svea Bundschuh und Johanna Lutze