Stammt der Mensch wirklich vom Affen ab?
„Der Mensch stammt vom Affen ab“ – diese Aussage haben die meisten von uns schon einmal gehört. Doch stimmt sie überhaupt? Haben sich Menschen tatsächlich aus den Affen entwickelt, die wir heute im Zoo oder in der Natur beobachten können? Oder steckt hinter dieser weit verbreiteten Vorstellung ein Missverständnis?
In diesem Blogbeitrag gehen wir der Frage auf den Grund, was die Evolutionstheorie wirklich über die Entstehung des Menschen sagt. Dabei werfen wir einen Blick auf unsere gemeinsamen Vorfahren, erstaunliche Verwandtschaften und die Frage, warum sich manche Alltagsvorstellungen so hartnäckig halten.
Bist du bereit, deine Vorstellung von der menschlichen Evolution zu hinterfragen? Dann lies weiter!
Du findest den Blog unter: https://canva.link/stammt-der-mensch-wirklich-vom-affen-ab
Hallo zusammen :)
AntwortenLöschenvielen Dank für euren interessanten Blogbeitrag.
Besonders spannend fand ich zu erfahren, was hinter der Alltagsvorstellung „Der Mensch stammt vom Affen ab“ steckt und durch welche Faktoren sie beeinflusst wird. Häufig ist uns vermutlich gar nicht bewusst, welche Einflüsse unsere Vorstellungen von der Welt prägen. Darüber hinaus fand ich eure Erklärung aufschlussreich, warum diese Vorstellung für viele Menschen zunächst so plausibel erscheint und welche weiteren Fehlvorstellungen mit ihr verbunden sind oder zu ihrer Entstehung beitragen.
Ebenfalls gelungen fand ich die biologische Einordnung der Alltagsvorstellung. Besonders wichtig erscheint mir eure Feststellung, dass eine reine Korrektur der Aussage nicht ausreicht, um bei einer Person ein Umdenken auszulösen. Stattdessen ist eine tiefergehende Erklärung des Sachverhalts notwendig, damit die ursprüngliche Vorstellung hinterfragt und durch ein fachlich korrektes Verständnis ersetzt werden kann. Die Darstellung von Menschen und anderen Menschenaffen als „Cousins“ finde ich in diesem Zusammenhang sehr anschaulich und hilfreich. Durch diesen Vergleich lässt sich das evolutionäre Verwandtschaftsverhältnis meiner Meinung nach gut nachvollziehen.
Auch der Bezug zum Biologieunterricht war sehr hilfreich, da dadurch deutlich wurde, wie diese konkrete Alltagsvorstellung im Unterricht aufgegriffen werden kann. Besonders spannend finde ich den Ansatz, Fehlvorstellungen nicht ausschließlich als Hindernisse, sondern als Ausgangspunkte und Möglichkeiten für weitere Lernprozesse zu betrachten.
An dieser Stelle hätte ich mir allerdings noch eine etwas allgemeinere Betrachtung von Fehlvorstellungen im Biologieunterricht gewünscht. Dadurch sind bei mir einige Fragen aufgekommen: Wie können Lehrkräfte grundsätzlich mit den unterschiedlichen Alltagsvorstellungen ihrer Schüler*innen umgehen? Wie lassen sich solche Vorstellungen erkennen? Und wie kann überprüft werden, ob eine Fehlvorstellung tatsächlich verworfen wurde oder ob die Schüler*innen lediglich die erwartete Antwort wiedergeben?
Insgesamt hat mir euer Beitrag sehr gut gefallen!
Liebe Grüße Mareike :)
Liebe Mareike,
Löschenvielen Dank für deinen ausführlichen und wertschätzenden Kommentar zu unserem Blogbeitrag! Es freut mich, dass dir die biologische Einordnung der Alltagsvorstellung und unser Bezug zum Biologieunterricht gefallen hat.
Deine Fragen dazu, wie Lehrkräfte grundsätzlich mit unterschiedlichen Alltagsvorstellungen ihrer Schüler*innen umgehen können, wie diese erkannt werden und wie überprüft werden kann, ob tatsächlich ein Umdenken stattgefunden hat, möchte ich gerne aufgreifen.
Es erscheint sinnvoll, Alltagsvorstellungen zunächst sichtbar zu machen z.B. durch offene Fragen, Zeichnungen, oder Concept Maps. Wichtig ist aber nicht nur die Antwort, sondern auch die dahinterliegende Begründung zu betrachten.
Damit komme ich zu deiner letzten Frage: Wie kann man erkennen, ob eine Fehlvorstellung wirklich aufgegeben wurde oder ob Schüler*innen lediglich die erwartete Antwort wiedergeben?
Eine reine Abfrage von Fachbegriffen oder Definitionen reicht dafür tatsächlich nicht aus. Ein Schüler kann beispielsweise korrekt sagen, dass Mensch und Schimpanse einen gemeinsamen Vorfahren haben, ohne diese Vorstellung wirklich verstanden zu haben. Aussagekräftiger sind deshalb Aufgaben, bei denen das Wissen auf eine neue Situation übertragen werden muss. Auch Begründungsaufgaben oder das Erklären eines Sachverhalts in eigenen Worten können zeigen, ob ein Verständnis vorhanden ist.
Ich hoffe, ich konnte dir mit dieser Antwort weiterhelfen.
Liebe Grüße
Johanna
Hallo Johanna und Chantal,
AntwortenLöschendass der Mensch von Affen abstammt, ist wohl eine sehr häufige Alltagsvorstellung bei Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen. Darum ist es umso wichtiger sich mit dieser Fehlvorstellung zu beschäftigen. Ich finde eure Idee, zu betrachten, wieso diese Fehlvorstellung überhaupt so plausibel ist, hervorragend. Der „March of Progress“, die Ähnlichkeiten zwischen Menschen und Affen (auch genetisch) und die falsche Vorstellung über die Evolution sehe ich auch als die Hauptgründe dafür. Da kommt man leicht zur Vorstellung, dass der Mensch eine Verbesserung eines Affen ist und die Evolution zum Menschen hin linear verlief.
Ihr thematisiert deshalb das Konzept des letzten gemeinsamen Vorfahren. Ich finde das passend. Zusätzlich denke ich ist es sinnvoll, auch zu zeigen, dass es sehr viele verschiedene Homo-Arten gab, wobei es auch komplett eigenständige Linien gab, welche irgendwann ausgestorben sind (wie die robusten Australopithecien). Die Evolution hatte nie zum Ziel den perfekten Organismus („Mensch“) zu entwickeln, sondern alle Veränderungen sind auf Basis der Evolutionsfaktoren entstanden, ohne Ziel.
Es macht definitiv Sinn die Alltagsvorstellung als Ausgangspunkt zu nehmen. Dann kann man mit einem kognitiven Konflikt arbeiten, indem man z.B. den Schüler*innen die Info gibt, dass vor mehreren Millionen Jahren mehrere Homo-Arten gleichzeitig existiert haben. Das steht im Widerspruch zu der Vorstellung einer linearen Evolution und löst das Verlangen nach fachlicher Klärung aus.
Eine weitere Idee die ich habe, ist die Schüler*innen zu fragen, weshalb der heutige Schimpanse sich nicht langsam zum Menschen entwickelt, wenn der Mensch doch von ihm abstammt und eine Weiterentwicklung ist. Mit diesem Impuls könnte man klären, dass ein Schimpanse eben nicht „unterentwickelt“ ist, sondern sich so entwickelt hat, um perfekt an seinen Lebensraum angepasst zu sein. Damit lässt sich meiner Meinung nach auch die korrekte Vorstellung, dass der Schimpanse ein „Cousin“ für uns ist, gut einführen.
Letztlich will ich noch anmerken, dass euer Blogbeitrag sehr gut gestaltet ist.
PS: Ich würde mich sehr darüber freuen unter meinem Blog zum offenen Experimentieren Kommentare von euch zu erhalten, falls ihr noch welche zu schreiben habt.
Lieber Elias,
Löschenvielen Dank für deine anregenden Ergänzungen und die positive Rückmeldung zu unserem Blogbeitrag.
Deinen Vorschlag, neben dem letzten gemeinsamen Vorfahren auch die Vielfalt verschiedener Homo-Arten und ausgestorbener Entwicklungslinien stärker einzubeziehen, finde ich wirklich sehr passend. (Der Neandertaler dürfte dem ein oder anderen Schüler vielleicht bekannt sein.) Dadurch würde sich gut ein kognitiver Konflikt erzeugen lassen (insofern die Vorstellung einer linearen Entwicklung bei den Schüler*innen vorhanden ist). Die Evolution des Menschen ist eben vielmehr ein verzweigter Prozess, bei dem verschiedene Populationen und Arten entstehen können, von denen einige auch wieder aussterben.
Liebe Grüße
Johanna
Hey Elias,
LöschenVielen Dank für dein ausführliches und hilfreiches Feedback! Ich finde besonders spannend, dass du die Punkte aufgreifst, die auf für uns bei der Auseinandersetzung mit der Alltagsvorstellung wichtig waren.
Den Gedanken mit den verschwenden Homo-Arten und ausgestorbenen Entwicklungslinien finde ich sehr passend. In unserem Blogbeirag wollten wir vor allem zeigen, dass Evolution nicht als gerade Linien verstanden werden sollte, sondern eher als ein verzweigter Prozess. Dabei ist der heutige Mensch eben nicht das "Ziel", auf das die Evolution von Anfang an zugelaufen ist. Dass es gleichzeitig evolutionäre Linien gab, von denen manche weiterbestanden und andere ausgestorben sind, macht diese Vorstellung noch anschaulicher. Gerade dadurch wird deutlich, dass nicht jede Entwicklung zwangsläufig beim heutigen Menschen "enden" muss.
Auch deinen Vorschlag mit dem kognitiven Konflikt finde ich super! Die Frage, warum es heute noch Schimpansen gibt, wenn der Mensch angeblich aus ihnen entstanden ist, hatten wir ja bereits als eine zentrale Frage in unserem Beitrag aufgegriffen. Genau an dieser Frage wird sichtbar, welches Denkmodell hinter der Vorstellung "vom Affen zum Menschen" steckt: Wenn man Evolution als gerade Linie versteht, erscheint es tatsächlich logisch, dass die ursprüngliche Form irgendwann verschwunden sein müsste.
Deine Idee, anschließend zu fragen, warum sich der heutige Schimpanse denn nicht weiter zum Menschen entwickelt, finde ich deshalb besonders gut. Sie führt eigentlich direkt zu unserem Gedanken der gemeinsamen Abstammung. Der heutige Schimpanse ist nicht eine früherer Entwicklungsstufe des Menschen, sonders hat sich - genau so wie unsere Linie - seit dem gemeinsame Vorfahren eigenständig weiterentwickelt. Deshalb kann. man sich Mensch und Schimpanse eher als zwei verwandte Linien vorstellen, die sich aus einer gemeinsamen Vergangenheit entwickelt haben. Die "Cousin"-Vorstellung finde ich tatsächlich sehr anschaulich, solange klar bleibt, dass es sich nur um ein vereinfachtes Modell handelt.
Auch deinen Punkt zur Anpassung finde ich wichtig. Ein Schimpanse ist nicht "weniger entwickelt", nur weil er kein Mensch geworden ist. In unserem Beitrag wollten wir genau diese Vorstellung von Entwicklung als Verbesserung problematisieren. Im Alltag verbinden wir "Entwicklung" schnell mit "besser", "höher" oder "vollkommener". Überträgt man dieses Verständnis auf Evolution, entsteht leicht die Vorstellung, der Mensch sei am Ende einer Entwicklungsleiter angekommen. Evolution hat aber kein vorgegebenes Ziel und der Mensch ist deshalb nicht der "Höhepunkt" der Evolution.
Was ich durch deinen Kommentar besonders deutlich sehe, ist, dass sich aus der ursprünglichen Frage "Stammt der Mensch vom Affen Ab?" eigentlich viele weitere Fragen entwickeln lassen. Genau das war auch unser Anliegen mit dem Blogbeitrag: Nicht einfach die Antwort "Nein" zu geben, sondern zu überlegen, warum diese Vorstellung überhaupt so plausibel erscheint und welches Denkmodell dahintersteckt. Erst wenn dieses lineare Denkmodell sichtbar wird, kann man es durch die Vorstellung von gemeinsamer Abstammung und verzweigten evolutionären Linien ersetzen.
Vielen Dank auch für dein positives Feedback zur Gestaltung! Deine Anregungen nehmen wir auf jeden Fall mit - gerade die Idee, die verschiedenen Entwicklungslinien und den kognitiven Konflikt noch stärker zu nutzen, finde ich für die didaktische Umsetzung sehr hilfreich.
Nochmal als gekürzte Version:
LöschenHey Elias,
vielen Dank für dein ausführliches und hilfreiches Feedback!
Den Gedanken mit den verschiedenen Homo-Arten und ausgestorbenen Entwicklungslinien finde ich sehr passend. In unserem Blogbeitrag wollten wir vor allem zeigen, dass Evolution keine gerade Linie, sondern ein verzweigter Prozess ist. Der heutige Mensch ist dabei nicht das „Ziel“ der Evolution. Dass manche Linien weiterbestanden und andere ausgestorben sind, macht diese Vorstellung noch anschaulicher.
Auch deinen Vorschlag mit dem kognitiven Konflikt finde ich super! Die Frage, warum es heute noch Schimpansen gibt, wenn der Mensch angeblich aus ihnen entstanden ist, macht das lineare Denkmodell sehr deutlich.
Besonders gut finde ich deine Idee, anschließend zu fragen, warum sich der heutige Schimpanse nicht weiter zum Menschen entwickelt. Dadurch lässt sich die gemeinsame Abstammung gut erklären: Der Schimpanse ist keine frühere Entwicklungsstufe des Menschen, sondern hat sich wie unsere Linie seit dem gemeinsamen Vorfahren eigenständig weiterentwickelt. Die „Cousin“-Vorstellung finde ich dafür sehr anschaulich
.
Auch deinen Punkt zur Anpassung finde ich wichtig. Ein Schimpanse ist nicht „weniger entwickelt“, nur weil er kein Mensch geworden ist. Evolution hat kein vorgegebenes Ziel und der Mensch ist deshalb auch nicht der „Höhepunkt“ der Evolution.
Vielen Dank auch für dein positives Feedback zur Gestaltung! Deine Anregungen nehme ich auf jeden Fall mit.
Hallo ihr beiden :)
AntwortenLöschenvielen Dank für euren interessanten und sehr anschaulich gestalteten Blogbeitrag.
Besonders spannend fand ich den Teil darüber, wie stark unsere Vorstellung von Evolution durch Bilder und Begriffe beeinflusst wird, die für uns im Alltag eigentlich ganz normal erscheinen. Vor allem beim Abschnitt “Entwicklung als Optimierung” ist mir aufgefallen, dass man selbst schnell dazu neigt, Evolution als eine Art Verbesserung zu verstehen. Begriffe wie “höher Entwickelt” oder "Weiterentwickelt" verwendet man schließlich selbstverständlich. Dass dadurch aber schnell das Bild entstehen kann, Evolution würde immer zu komplexeren oder “besseren” Lebewesen führen und der Mensch würde dabei sozusagen an der Spitze stehen, war für mich ein interessanter Gedanke.
Sehr passend dazu fand ich euren Abschnitt über den “March of Progress”. Diese typische Abbildung vom Gebückten affen bis zum aufrecht gehenden Menschen kennt wahrscheinlich fast jeder und ich habe mir bisher ehrlich gesagt kaum Gedanken darüber gemacht, welches Bild von Evolution dadurch vermittelt wird, obwohl man wenn man sich ein wenig mit Evolution auskennt natürlich weis, dass diese Darstellung nicht korrekt ist. Besonders Interessant fand ich eure Erklärung, dass dabei nicht unbedingt die einzelnen dargestellten Entwicklungsformen problematisch sein müssen, sondern deren Anordnung in einer geraden Reihe. Wenn man dieses Bild immer häufiger sieht, ist es für mich gut nachvollziehbar, dass sich dadurch die Vorstellung einer geradlinigen Entwicklung “vom Affen zum Menschen” festsetzt.
Auch der Einfluss unserer Sprache ist mir durch euren Beitrag noch einmal bewusster geworden. Formulierungen wie “vom Affen zum Menschen” wirken zunächst nicht sonderlich falsch und werden wahrscheinlich häufig verwendet, ohne genauer darüber nachzudenken. Trotzdem können sie bestimmte Vorstellungen über Evolution vermitteln oder bereits bestehende Vorstellungen verstärken. Gerade im Hinblick auf unsere spätere Tätigkeit als Lehrkräfte fand ich diesen Punkt wichtig, da wir durch unsere eigene Wortwahl möglicherweise unbewusst beeinflussen, welche Vorstellungen Schüler*innen entwickeln.
Beim Lesen ist mir deshalb vor allem eine Frage aufgekommen: Wie stark darf man evolutionäre Zusammenhänge im Unterricht vereinfachen, damit sie verständlich und anschaulich bleiben, ohne dadurch gleichzeitig falsche Vorstellungen zu erzeugen? Gerade bei Stammbäumen zur menschlichen Evolution stelle ich mir das schwierig vor. Einerseits sollen solche Darstellungen komplexe Inhalte verständlicher machen, andererseits zeigt das Beispiel des “March of Progress” sehr gut, dass gerade eine besonders einfache und einprägsame Darstellung auch zu falschen Schlussfolgerungen führen kann.
Insgesamt hat mir euer Beitrag wirklich sehr gut gefallen. Die Verbindung aus spannenden Inhalten, dem sehr anschaulichen Design und dem Gebrauch alltäglicher Sprache gibt einen schönen runden Eindruck, der mir viel Spaß gemacht hat.
Danke für euren Beitrag, Julian.
Hey Julian,
AntwortenLöschenvielen Dank für deinen ausführlichen und wirklich interessanten Kommentar!
Ich freu mich sehr, dass dir besonders die Verbindung zwischen unseren Alltagsvorstellungen, Sprache und Bildern aufgefallen ist. Gerade diese Punkte waren für uns bei der Auseinandersetzung mit dem Thema auch besonders spannend, weil sie zeigen, dass die Vorstellung „vom Affen zum Menschen“ nicht einfach dadurch entsteht, dass jemand Evolution „falsch gelernt“ hat.
Deinen Gedanken zu „höher entwickelt“ und „weiterentwickelt“ kann ich sehr gut nachvollziehen. Genau solche Begriffe benutzen wir im Alltag ganz selbstverständlich und verbinden „Entwicklung“ schnell mit einer Verbesserung. Übertragen wir dieses Verständnis auf Evolution, kann dadurch leicht die Vorstellung entstehen, dass Lebewesen auf einer Art Entwicklungsleiter stehen und der Mensch ganz oben angekommen ist. Dabei hat Evolution kein vorgegebenes Ziel und führt nicht automatisch zu „besseren“ oder komplexeren Lebewesen.
Auch beim „March of Progress“ finde ich deinen Gedanken sehr passend. Uns war beim Schreiben ebenfalls wichtig, dass nicht unbedingt die einzelnen dargestellten Formen das Problem sind. Vielmehr ist es die Anordnung in einer scheinbar geraden Reihe, die schnell den Eindruck einer kontinuierlichen Verbesserung erzeugt. Der moderne Mensch erscheint dadurch automatisch als Endpunkt der Entwicklung.
Deine Frage, wie stark man evolutionäre Zusammenhänge im Unterricht vereinfachen darf, finde ich deshalb besonders interessant. Eine gewisse Vereinfachung ist meiner Meinung nach notwendig, gerade weil evolutionäre Prozesse sehr komplex sind. Problematisch wird es aber dann, wenn durch die Vereinfachung ein anderes Denkmodell entsteht als das, was eigentlich vermittelt werden soll. Eine Darstellung kann also fachlich einzelne Informationen korrekt zeigen und trotzdem eine falsche Gesamtvorstellung erzeugen.
Genau deshalb finde ich beispielsweise ein verzweigtes Modell hilfreicher als eine lineare Darstellung. Natürlich ist auch ein vereinfachter Stammbaum nicht die vollständige Realität – die tatsächliche Evolution ist wesentlich komplexer. Trotzdem kann ein solches Modell die zentrale Vorstellung von gemeinsamer Abstammung und der Verzweigung evolutionärer Linien besser vermitteln.
Für mich bedeutet das auch, dass man Vereinfachungen im Unterricht nicht grundsätzlich vermeiden kann oder muss. Viel wichtiger scheint mir, bewusst darauf zu achten, welche Vorstellung eine Darstellung bei den Schüler*innen entstehen lässt. Gerade beim „March of Progress“ wäre es beispielsweise spannend, das Bild nicht einfach zu zeigen und zu erklären, sondern gemeinsam mit den Schüler*innen zu hinterfragen: Was vermittelt uns dieses Bild eigentlich? Was könnte daran missverständlich sein? Und wie könnte man Evolution anders darstellen?
Auch bei der Sprache würde ich deshalb versuchen, möglichst bewusst zu formulieren. Wenn wir ständig von einer Entwicklung „vom Affen zum Menschen“ sprechen, verstärken wir möglicherweise genau die Alltagsvorstellung, die wir eigentlich auflösen möchten. Fachlich präziser ist die Vorstellung, dass Menschen und andere heute lebende Menschenaffen gemeinsame evolutionäre Vorfahren haben und sich ihre Linien anschließend unterschiedlich weiterentwickelt haben.
Deine Frage zeigt für mich deshalb auch noch einmal sehr schön, warum es beim Umgang mit Alltagsvorstellungen nicht reicht, einfach die „richtige“ Antwort zu vermitteln. Die Schüler*innen sollen nicht nur wissen, dass der Mensch nicht vom heutigen Affen abstammt, sondern ein anderes Denkmodell entwickeln können, mit dem sie die Ähnlichkeiten und Verwandtschaftsverhältnisse erklären können.
Vielen Dank dir für die Gedanken und die schöne Rückmeldung zu unserem Beitrag! Gerade deine Frage zur Vereinfachung nehme ich auf jeden Fall für meinen späteren Unterricht mit.
Nochmal als gekürzte Version:
LöschenHey Julian,
vielen Dank für deinen ausführlichen und interessanten Kommentar!
Deinen Gedanken zu „höher entwickelt“ und „weiterentwickelt“ kann ich gut nachvollziehen. Solche Begriffe verbinden wir schnell mit Verbesserung. Auf Evolution übertragen, entsteht dadurch leicht die Vorstellung, der Mensch stehe am Ende einer Entwicklungsleiter. Dabei hat Evolution kein vorgegebenes Ziel und führt nicht automatisch zu „besseren“ oder komplexeren Lebewesen.
Auch beim „March of Progress“ finde ich deinen Gedanken passend. Problematisch ist vor allem die Anordnung in einer geraden Reihe, da dadurch schnell der Eindruck einer kontinuierlichen Entwicklung bis zum Menschen entsteht.
Deine Frage, wie stark man Evolution im Unterricht vereinfachen darf, finde ich deshalb besonders interessant. Eine gewisse Vereinfachung ist notwendig, problematisch wird sie aber, wenn dadurch ein falsches Denkmodell entsteht. Ein verzweigtes Modell kann hier hilfreicher sein, da es gemeinsame Abstammung und verschiedene evolutionäre Linien verdeutlicht.
Für mich bedeutet das, dass man Vereinfachungen nicht grundsätzlich vermeiden muss, sondern bewusst darauf achten sollte, welches Bild dadurch bei Schüler*innen entsteht. Auch bei der Sprache würde ich möglichst genau formulieren, um die Vorstellung „vom Affen zum Menschen“ nicht unbewusst zu verstärken.
Deine Frage zeigt für mich noch einmal, dass es nicht reicht, nur die „richtige“ Antwort zu vermitteln. Vielmehr sollten Schüler*innen ein tragfähiges Denkmodell entwickeln, mit dem sie Evolution und Verwandtschaft erklären können.
Vielen Dank für deine Gedanken und die schöne Rückmeldung! Deine Frage nehme ich auf jeden Fall für meinen späteren Unterricht mit.
Ich fand den Blogbeitrag wirklich interessant, weil direkt eine Frage aufgegriffen wird, die wahrscheinlich fast jeder schon einmal gehört hat: „Stammt der Mensch wirklich vom Affen ab?“ Auf den ersten Blick denkt man, die Antwort darauf sei eigentlich ziemlich einfach. Beim Lesen wird aber schnell deutlich, dass hinter dieser Frage viel mehr steckt und vor allem, wie stark sich bestimmte Vorstellungen über Evolution bei uns festsetzen können.
AntwortenLöschenBesonders spannend fand ich den Abschnitt zu den Alltagsvorstellungen. Schüler*innen kommen schließlich nicht ohne Vorwissen in den Unterricht, sondern haben bereits bestimmte Bilder und Erklärungen im Kopf. Gerade beim Thema Evolution begegnen ihnen solche Vorstellungen überall – in Filmen, auf Social Media, in Gesprächen oder durch bekannte Bilder wie den „March of Progress“. Ich muss auch sagen, dass man bei diesem bekannten Bild schnell den Eindruck bekommt, Evolution sei eine Art gerade Linie: vom Affen über verschiedene Zwischenstufen bis hin zum heutigen Menschen. Dass genau solche Darstellungen unsere Vorstellungen beeinflussen können, fand ich sehr nachvollziehbar erklärt.
Auch den Abschnitt zur Sprache fand ich interessant. Über Formulierungen wie „vom Affen zum Menschen“ macht man sich im Alltag wahrscheinlich kaum Gedanken. Trotzdem vermitteln sie unterschwellig genau dieses lineare Bild. Für mich war das noch einmal ein guter Hinweis darauf, wie wichtig es später als Lehrkraft ist, auf die eigene Sprache und auch auf die ausgewählten Abbildungen zu achten.
Was ich aus dem Beitrag besonders mitnehme, ist aber der Umgang mit falschen beziehungsweise nicht ganz richtigen Vorstellungen. Ich finde den Gedanken schön, Schüler*innen nicht einfach zu sagen: „Das ist falsch, richtig ist es so.“ Denn nur weil sie anschließend die richtige Antwort wiederholen können, heißt das noch lange nicht, dass sie ihre ursprüngliche Vorstellung wirklich verändert haben. Gerade die Gegenüberstellung von „Affe → Mensch“ und dem verzweigten Modell mit einem gemeinsamen Vorfahren fand ich deshalb sehr gelungen und verständlich.
Für den Unterricht könnte ich mir gut vorstellen, tatsächlich mit der Frage „Wenn der Mensch vom Affen abstammt, warum gibt es dann heute noch Affen?“ einzusteigen. Wahrscheinlich würden dabei ganz unterschiedliche Antworten entstehen und man könnte ziemlich schnell erkennen, welche Vorstellungen die Schüler*innen bereits mitbringen. Diese dann gemeinsam aufzugreifen und weiterzuentwickeln, finde ich viel spannender, als direkt die fertige wissenschaftliche Erklärung vorzugeben.
Insgesamt hat mir der Beitrag noch einmal gezeigt, dass Alltagsvorstellungen im Biologieunterricht nicht unbedingt etwas Störendes sind, das möglichst schnell verschwinden muss. Eigentlich können sie sogar ein richtig guter Ausgangspunkt für Unterricht sein. Gerade weil die Schüler*innen merken, dass ihre eigenen Gedanken und Vorstellungen eine Rolle spielen, kann daraus meiner Meinung nach ein viel interessanterer Lernprozess entstehen.
Eine Frage ist mir beim Lesen trotzdem geblieben: Wie kann ich als Lehrkraft am Ende wirklich erkennen, ob die Schüler*innen ihre ursprüngliche Vorstellung verändert und das neue Modell verstanden haben – und nicht einfach nur gelernt haben, welche Antwort ich von ihnen hören möchte?
Liebes Autorenteam,
AntwortenLöschenIch fand es besonders spannend, wie ihr die Alltagsvorstellung „Der Mensch stammt vom Affen ab“ erklärt habt. Vor allem die Frage, warum diese Vorstellung für viele Menschen erstmal logisch klingt und wie sie durch Alltag, Sprache oder Medien beeinflusst wird, fand ich interessant.
Gut gefallen hat mir auch, dass ihr deutlich macht, dass es nicht reicht, einfach zu sagen, dass diese Vorstellung falsch ist. Viel wichtiger ist es, an den vorhandenen Vorstellungen der Schüler*innen anzuknüpfen und ihnen zu zeigen, wie das Verwandtschaftsverhältnis tatsächlich aussieht. Den Vergleich mit „Cousins“ fand ich dafür sehr anschaulich.
Auch den Bezug zum Biologieunterricht fand ich gut. Ich finde es sinnvoll, Fehlvorstellungen nicht nur als Problem zu sehen, sondern sie als Ausgangspunkt für weitere Lernprozesse und als Chance zur Aufklärung zu nutzen.
An dieser Stelle hätte ich mir noch etwas mehr dazu gewünscht, wie Lehrkräfte solche Vorstellungen überhaupt erkennen können und wie man damit im Unterricht umgehen kann. Außerdem frage ich mich, woran man erkennt, ob eine Schülerin seine oder ihre Vorstellung wirklich verändert hat oder nur die richtige Antwort wiedergibt.
Insgesamt hat mir euer Beitrag sehr gut gefallen und ich fand es spannend, einmal genauer darüber nachzudenken, welche Vorstellungen Schüler*innen eigentlich schon mit in den Biologieunterricht bringen.
Liebe Grüße,
Rania